Archive for : Juni, 2015

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Fliegen wie ein Adler

Das Haus der Flugpioniere Otto und Gustav Lilienthal in Anklam steht nicht mehr. Zerstört im Krieg. Genau wie die nahe und mächtige Nikolaikirche mit einem Turm von imposanten 103 Metern Höhe. Einst Lotsenpunkt für die Kapitäne der Ostsee. Doch der Turm ist weggeschossen worden. Am schwärzesten Tag der Stadt, am 29. April 1945.

Das kleine Städtchen Anklam im äußersten Nordosten Deutschlands hat eine Geschichte wie Ikarus. Früher stolze und reiche Hansestadt an der Peene brachen erst die Nazis, dann die SED-Sozialisten der Stadt das Genick. 1943 zerstörte ein Angriff der US-Luftwaffe die Innenstadt. Ende April 1945, am letzten Kriegstag wurde Anklam zu 85 Prozent dem Erdboden gleich gemacht. Ritterkreuzträger Erich Mende, ein späterer Minister in Bonn, ließ aus sicherer Distanz auf die eingerückte Rote Armee feuern. Der Turm der Nikolaikirche fiel. Zudem startete die deutsche Luftwaffe am Nachmittag einen Angriff auf Anklam – auf die eigene Stadt. Ein bizarrer Vorgang.

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Anklam eine Kirche ohne Turm. Eine Stadt ohne Mitte. Das soll anders werden.

 

Nach dem Fanatismus der Nazis gab die sozialistische Stadtplanung Anklam den Rest. Zurück blieb eine Stadt ohne Mitte und Seele. Nach der Wende zogen erst die Menschen in Scharen weg, dann Verwaltung, Polizei und Gericht. Die Einwohnerschaft hat sich nahezu halbiert. Schlagzeilen über gewaltbereite Neo-Nazis taten ein Übriges. Anklam, die geschundene Stadt, wurde vergessen und sich selbst überlassen.

„Wir heben ab. Spätestens im Jahre 2020 hat die Stadt wieder ein Gesicht. Ein Zentrum. Ab in die Mitte.“ Peer Wittig strahlt Zuversicht aus. Der gelernte Ingenieur gibt sich selbstbewusst. „Wir schaffen das“. Die Nikolaikirche soll ein renommiertes Museum für den Traum vom Fliegen werden. Wo Jahrzehnte lang in der Kirchen-Ruine Tauben hausten und grüner Rasen gedieh, soll sich der Adler von Anklam wieder stolz in die Luft schwingen, Der 53-jährige ist voller Energie. „Wir haben eine Zukunft.“ Die Kirche als letzte große Hoffnung.

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Der Traum vom Fliegen ist die Zukunft. Anklam setzt auf das Ikareum. Das etwas sperrige Kofferwort steht für Ikarus und Museum. 2020 soll die zerstörte Nikolaikirche mit neuem Turm eröffnet werden.

 

„Ikareum“ soll das neue Mekka der Luftfahrt heißen. Fluggeräte und Geschichten der Gebrüder Lilienthal, Montgolfiere und Wright sind bereits in der 33 Meter hohen Kirche zu entdecken. Otto Lilienthal, der mit vierzehn Jahren Anklam verließ, flog mit seinen waghalsigen Apparaten bis zu zweitausend Mal. Bis er im Alter von 48 Jahren abstürzte. Wie einst Ikarus. Längst kann die Menschheit fliegen. Anklam träumt nun wieder einen Menschheitstraum. „Die Macht des Verstandes wird im Fluge auch dich tragen“, sagte der berühmteste Sohn des gebeutelten Städtchens. Das müsste doch zu schaffen sein.

Das Ikareum in Anklam ist im Sommerhalbjahr bereits geöffnet.

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Michael Najjar. Skyfall. Videoworks. Mehr im: Es Baluard Museum d´Art Modern. Palma de Mallorca. Bis 30. August 2015.

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Leben und Struktur

„Am Kanal entlangspaziert auf der Suche nach einem guten Ort. Unter der Fennbrücke steht eine kleine Bank, dahinter ein schmaler Streifen mit Geländer zum Nordhafen. Ich sitze Probe auf der Kante, fühle mich aber nicht ganz wohl“, notiert Bestsellerautor Wolfgang Herrndorf am 22. Oktober 2012 um 21.15 Uhr in seinem Blog „Struktur und Arbeit“. Und weiter:

„Man sitzt beengt, und mit meiner defizitären Motorik, fürchte ich, könnte ich bei Schnee und Eis (ich sterbe im Winter, denke ich) abrutschen, bevor ich Zeit zum Zielen gehabt hätte. Schön die leichte Strömung, die Herbstlaub und tote Körper nach Westen treibt“.

Zehn Monate später am 26. August 2013 gegen Mitternacht beendet Herrndorf das Wüten des Tumors in seinem Hirn mit einer 9mm-Kugel in den Kopf . Der Schriftsteller wurde 48 Jahre alt.

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Selbstbildnis Wolfgang Herrndorf. 1988.

Jetzt zeigt das Literaturhaus Berlin bislang unbekannte Zeichnungen, Bilder und Karikaturen aus Herrndorfs Nachlass. In den neunziger Jahren hatte der genaue und sensible Autor nach einem Kunststudium in Nürnberg mit großer Sorgfalt für die Titanic und den Tagesspiegel gezeichnet. Ein Brotjob. Irgendwie musste die Miete ja reinkommen. Er fühlte sich Spitzwegs Armen Poeten sehr nahe.

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o.T. Acryl auf Papier. Ein Beispiel von Herrndorfs 600 hinterlassenen Bildern, Zeichnungen und Karikaturen.

Anfang des 21. Jahrhunderts gab Herrndorf die Malerei auf und widmete sich mit gleicher Präzision und Liebe zum Detail der Schriftstellerei. Seinem Debüt „In Plüschgewittern“ folgten die Erfolgstitel „Tschick“ und „Sand“. Der Rest ist so traurig wie bekannt. Im Februar 2010 übernimmt ein unheilbarer Gehirntumor das Drehbuch seines Lebens. Je erfolgreicher er wird desto verzweifelter seine Lage. Herrndorf schildert in seinem Tagebuch „Arbeit und Struktur“ beklemmend und ohne jedes falsches Pathos den Countdown bis zu seinem selbstbestimmten Ende am Kanal. „Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“

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Herrndorf interpretiert Picasso, wie der spanische Altmeister Adolf Hitler interpretiert haben könnte.

 

„Wolfgang Herrndorf: Bilder“. Bis 16. August 2015 im Literaturhaus Berlin.

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Wir sind die Guten!

Die Niederländische Botschaft ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Es geht um coole City Boys und Investmentbanker, die mit unserem Geld und Vermögen spekulieren. Unter Bankern war Joris Luyendijk. Zwei Jahre lang. Der holländische Autor führte zahllose Gespräche, in Cafés, teuren Lofts oder zwischendurch an der Coffeebar. Keine Namen, bitte. Man bleibt lieber diskret und auf jeden Fall anonym. Denn Banker sind scheu wie das sprichwörtliche Reh. Jederzeit auf der Flucht.

Der fröhliche Luyendijk beschreibt an diesem Abend im herrlichen Rudi-Carell-Deutsch die Welt der Banker. Es ist eine eindrucksvolle Geschichte vom „Kapitalismus als Religion“.  Die rund 55.000 Investmentbanker in London seien die Hohen Priesters des Kapitals. Amoralische Söldner. Stets im Nahkampf um Provisionen, Profite und Boni. Stets die Aktionäre im Nacken, natürlich auch den Konkurrenten. So träumen die Jungs, meistens sind es Männer, vom Match in the heaven. Manche arbeiten bis zum Umfallen. Denn die Börse schläft nie.

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Joris Luyendijk. Ein Autor als Entdecker und Ethnologe. In der freien Wildbahn Londons allein unter Bankern.

 

Luyendijk sagt, er habe wie ein Ethnologe eine fremde Welt erkundet. Er traf ehrgeizige Menschen, die in „einer Mischung aus extremer Unsicherheit und totaler Hingabe“ dem Erfolg hinterherjagen. Die Trottel sitzen in der Sparkasse oder den Landesbanken. Und Trotteln kann man giftige Papiere andrehen. Die Masters of the Universe sind abgebrühte Jungs, sagt der Holländer. Ehrgeizig. Einsam. Entschlossen.

Sind Banker konformistische Narzissten? Oder kranke Psychopathen? Stimmt nicht, entgegnet ein Banker, der sich beim anschließenden Gespräch aus der Deckung wagt. Das sei viel zu einfach. Die Banker seien doch nur die Ausführenden. Wer wolle nicht seine Alterssicherung verbessern? Wer träume nicht von einer höheren Rendite? Der Kleinsparer. Der Aktionär. Der Anleger.

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Happy hour in London. Banker beim Entspannen.

Nach zwei Stunden Lesung und Debatte sind alle erschöpft. Doch die Moral ist gestärkt. Gut so: Die Bösen sind die Banker. Es geht hinaus in den lauen Sommerabend. Die Niederländische Botschaft liegt an einer vielbefahrenen Straße. Es dauert lange, bis die Fußgängerampel auf Grün springt. Dann los, als zwei Radfahrer mit hohem Tempo verbissen auf uns Fußgänger zu radeln. Was kümmert uns eine rote Ampel! Knapp zischen die Herrschaften im mittleren Alter vorbei. So ist das im wirklichen Leben: Hoppla, erst komme ich. Was scheren mich Regeln. Die gelten nur für andere!

 

Spannend. Joris Luyendijk. Unter Bankern. Tropen. 2015.

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Hardy Krüger National: Einer hält durch

Tansania. Eine kleine Propellermaschine schnurrt über der Serengeti. Ein einsamer Pilot – allein auf dem Weg in ein neues Leben. Es ist heiß, und es riecht nach Benzin. Der Flug ist endlos. Vielleicht ohne Ankunft. Der Kopf des Mannes ist voller Bilder vom Anfang einer Liebe. Und dann muss er landen, in einer vergessenen Weltecke, in der er nicht willkommen ist.

Neustart in der „Momella Lodge“. Hier wurde 1960 der Oscar-nominierte Film „Hatari“ mit John Wayne und Hardy Krüger gedreht. „Glücklich, wer hier leben kann.“ Später gründete er genau dort eine Genossenschaft, die aber alsbald pleite ging. Er spielte in über 75 Filmrollen wie in der „Brücke von Arnheim“. In seinen jungen Jahren gab er den jungen Draufgänger. Blond, blauäugig, deutsch. Im „Flug des Phoenix“ spielt er den pedantischen Tüftler der in der Wüste ein Flugzeug wieder flott bekommt.

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Als General Ludwig in „Die Brücke von Arnheim“. 1977

Dem ewigen Sonnyboy mit den stahlblauen Augen gelang 1956 der Durchbruch in dem Streifen „Einer kam durch“. Die Schauspielerei wurde seine Bestimmung. Bereits als Vierzehnjähriger hatte er im NS-Propagandafilm „Junge Adler“ mitgespielt. Er ging auf die Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen. Als Sechzehnjähriger gehörte er wie so viele seiner Generation zu Hitlers letztem Aufgebot.

Krüger, 1928 geboren: „Ich habe mich nicht freiwillig gemeldet. Wir wurden einfach alle in Uniformen gesteckt.“ Krüger kam kurz vor Kriegsende wegen angeblichem Vaterlandsverrats vor ein Erschießungskommando. Ein Offizier rettete sein Leben: „Ich sah aus wie zwölf.“ Diese Lektion über Leben und Tod hat er nie vergessen. Seit vielen Jahrzehnten unterstützt der Schauspieler Organisationen wie „Exit“. Ein Neonazi-Aussteigerprojekt mit ständigen Geldsorgen.

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Hardy Krüger mit 87 Jahren in Schwerin. Er warnt eindringlich vor der „Gefahr von rechts“. Juni 2015.

 

In diesen Tagen tourt Hardy Krüger durch deutsche Städte. Unermüdlich warnt er, man dürfe nicht zulassen, dass Kinder Juden für Verbrecher hielten. Und: Jeder Mensch in Not müsse in Deutschland Aufnahme finden. Der Weltenbummler hatte vor zwei Jahren eine weitere Initiative mit dem Namen „Gemeinsam gegen rechte Gewalt” gegründet. Gemeinsam mit Dieter Hallervorden, Hark Bohm und dem kürzlich verstorbenen Klaus Bednarz. Hardy Krüger ist rastlos unterwegs. Nicht mehr in der Sahara, nicht in der Serengeti. Aber mitten unter uns mit mittlerweile 87 Jahren. Der Mann hat längst die Rolle seines Lebens gefunden. Einer hält durch.

 

Meine Leseempfehlung: Hardy Krüger. Die andere Seite der Sonne.

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Was die Einheit gebracht hat

Was haben Sie mit Ihrem ersten Westgeld gemacht? – „Eine Platte von Bruce Springsteen gekauft.“ – „Für das neue Auto angespart.“ – „Ich war gut essen und im Sexshop“. – Diese Antworten sind am Eingang im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu finden. Auf Zetteln von Besuchern angeheftet an einer großen Pinnwand. Genau 25 Jahre ist es her, dass DDR-Bürger 100 DM Begrüßungsgeld erhielten. Es war der hoffnungsfrohe Startschuss in eine neue Zeit. Und heute?

Heute gibt es nur noch ein großes Anschweigen zwischen Deutschen in Ost und West, so scheint´s. Ein Arrangement wie in einer ordentlichen Ehe. Der eine Partner will ständig reden, während der andere partout nicht zuhört. Im Oktober feiern die Deutschen ihre Silberhochzeit. Anlass für die amtlichen Museumsmacher, das „Porträt einer Übergangsgesellschaft“ zu wagen. Der Titel ihrer Ausstellung im Haus Unter den Linden in Berlins Mitte kommt bürokratisch knapp daher: „Alltag Einheit.“

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1990. Erst 100 DM Begrüßungsgeld. Dann kommt die D-Mark für alle. Gut zehn Jahre später wird der Euro eingeführt.

Was sofort auffällt. Vieles ist längst vergessen und verdrängt. Blaue Stone-washed Jeans-Träger, unmögliche Frisuren, weiße Herrensocken, Männer mit bepissten Trainingshosen und Hitlergruß. Die Ausstellung zeigt Baustellenbilder, Max Schmeling mit Henry Maske, die auf Plakaten das Zusammenwachsen beschwören. Zu sehen ist das Modell eines futuristischen Luigi Colani-Fernsehers, der ein sieches DDR-Werk in Staßfurt retten sollte aber nicht konnte. In den frühen Einheitsjahren kauften die Ostdeutschen lieber Westwaren.

Einprägsam ein T-Shirt der Kali-Kumpel aus Bischofferode von 1993. Dort steht „Wir sind ein Volk“, doch trotz Hungerstreik und Protesten wurde die Zeche geschlossen. Nicht rentabel. Ein Land wurde abgewickelt. Auf einem anderen Foto ist ein mittelalter Mann im brandenburgischen Zeesen zu sehen. Finster entschlossen steht er vor seinem Anwesen und hält trotzig ein Schild hoch: „Zutritt für Wessis strengstens untersagt“.

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Allen Sprachbereinigungsversuchen zum Trotz. Statt friedlicher Revolution oder anderen Begriffen hat sich das Wort Wende durchgesetzt. Bei einem solchen Vorgang gibt es logischerweise auch Wendehälse.

So blühen die neunziger Jahre auf. Mit Techno, freier Szene und Love-Parade in der Hauptstadt, Neonazis und viel Frust bei den Alten und Abgewickelten in der Provinz. Das ostdeutsche Volk geriet in Bewegung. Über fünf Millionen Menschen wechselten in den Westen. Rund zwei Millionen Deutsche zogen in den Osten. Eine Massenbewegung. Eine innerdeutsche Arbeitsmigration, deren Geschichte bis heute noch nicht erzählt ist.

Deutschland hat sich im letzten Vierteljahrhundert wesentlich verändert. Die Globalisierung zeigt Wirkung. Davon berichtet die Berliner Ausstellung nicht. So bleibt es am Ende bei einem nostalgischen Schmunzeln nach dem Motto Ach-weißt-du-noch! Beispiel gefällig? 1991 erschien das neue Ost-Zentralorgan Super Illu mit ostdeutschen Nackedeis und schrillen Wessi-Abzocker-Schlagzeilen auf dem gleichen Titelblatt. Sex and Crime. Die schöne Neue Medienwelt, zusammengestellt von Machern aus den alten Ländern. So funktioniert(e) die deutsche Einheit.

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Willkommen im deutschen Wunderland. Der Zusammenstoß der Kulturen. Ein Unfall in der Nähe von Halle 1991.

 

Alltag Einheit. Deutsches Historisches Museum. Bis 3. Januar 2016.

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Unter jedem deutschen Dach – ein großes gemeinsames Ach

Das Streithaus steht mitten im Dorf. Es ist ein einfaches märkisches Büdnerhaus mit zwei Eingängen, zwei Gärten und zwei Geschichten. Im kleineren Teil lebt seit langem eine alteingesessene Familie mit drei Kindern. Die linke Hälfte, der weitaus größere Teil verfiel in den letzten Jahren. Dann begannen plötzlich die Handwerker einzuziehen, rissen Wände ein, deckten das Dach neu und putzten das Haus so schön heraus, dass es kaum wiederzuerkennen war.

Das neue Anwesen mit großzügiger Terrasse, Swimming Pool und Buchenhecken könnte jeden „Schöner Wohnen“- Wettbewerb bestehen. Landlust für Großstädter. Die perfekte Idylle. Hier erfreuen edle Ziersträucher, teurer Rollrasen und eine Bank aus Teakholz das Auge. Weder stören Gartenzwerge, Plastikrehe noch Hühner wie im Nachbargarten das ländliche Ambiente.

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Das Fest kann beginnen. Die Landlust lockt. Berliner Träume im Brandenburgischen.

Pfingsten 2015 sollte die große Einweihung gefeiert werden. Der Sekt war kalt gestellt, der Grill in Positur gestellt. Es kam alles anders. Wenige Tage vor dem Fest tauchte das Bauamt auf und versiegelte die neue Hälfte. Der stolze Neubesitzer wurde ausgesperrt. Nicht einmal seinen Autoschlüssel durfte er aus dem Haus holen, heißt es im Dorf. Die spektakuläre Schließung markiert den Höhepunkt einer monatelangen Auseinandersetzung zweier Nachbarn, die unter einem Dach leben, sich aber auf den Tod nicht ausstehen können.

Der Investor habe Bauvorschriften und Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten, so die amtliche Begründung. In der Breite sei das Haus angeblich zwei Zentimeter zu lang geworden. Der prominente Berliner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wolle,  sei vom ersten Tag an mit seinem Nachbarn in Hader und Streit geraten, konstatiert die Lokalpresse. Es sollen sogar die Fäuste geflogen sein, wegen eines mobilen Klohäuschens vor der Tür. Auf jeden Fall folgten Anzeigen und Razzien.

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Der brandenburgische Vorgarten. Gartenzwerge, Jägerzaun und Satellitenschüssel.

 

Die Streithähne haben sich nichts geschenkt. Dorf gegen Stadt. Arm gegen Reich. Ost gegen West. Kein Klischee, das nicht passen würde. Jetzt steht im gemeinsamen Garten eine fast drei Meter hohe Mauer. Nun schlägt die Stunde der Anwälte. Das Ende ist offen. „Das Haus ist schön, der Mensch nicht“, sagt ein Nachbar von gegenüber und schüttelt den Kopf. So geht es zu bei einer ordentlichen brandenburgischen Provinzposse. Was für wunderbare Aussichten für das künftige Zusammenleben unter einem gemeinsamen Dach.