Category : aktuelles

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Kaiser Donald I von Grönland

Was will er bloß im ewigen Eis? Warum droht, schmeichelt und trumpisiert er maximal, um eine riesige, eiskalte Insel, die größte der Welt übrigens, einzuverleiben? Soll das autonome Nunarput (grönländisch für „Unser Land“) seine Krim werden? Seit Wochen eskaliert der Mann aus Washington mit Zuckerbrot und Peitsche. Mal bietet er jedem Inuit ein Begrüßungsgeld von hunderttausend Dollar an. Dann erhöht sein US-Vize JD Vance den Druck. „Lassen Sie uns in zwanzig Tagen über Grönland sprechen.“ Und schließlich droht Donald Trump am 9. Januar 2026: „Wenn wir es nicht auf die einfache Art tun, werden wir es auf die harte Art tun“.       Willkommen im 19. Jahrhundert. Zurück in

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As tears go by

Sie singt den Song auf einer ausgelassenen Party. „Es ist der Abend des Tages. Ich sitze da und sehe den Kindern beim Spielen zu. Ich sehe lächelnde Gesichter. Aber ihr Lächeln gilt nicht mir. Ich sitze da und sehe zu. Während Tränen vorübergehen.“ Ein Lied, das rasch um die Welt gehen wird. Die junge Frau, die ihre Tränen besingt, ist siebzehn. Sie heißt Marianne Faithfull. Eine Schülerin. Bezaubernd, blond und bildhübsch. Mit ihrem Tränen-Song wird sie 1964 berühmt. Verfasst haben ihn die beiden Stones-Männer Keith Richards und Mick Jagger in der Küche. Es ist ihr erstes selbstkomponiertes Lied: As tears go by. Sie widmen es Marianne Faithfull aus dem Londoner

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Prosit Neujahr!

Am ersten Weihnachtsfeiertag stellte das ZDF folgende Frage online: Was ist vom US-Einreiseverbot zu halten, ausgesprochen für zwei Frauen der Plattform HateAid und einen ehemaligen EU-Kommissar für digitale Regulierung. Der Funke zum Frohen Fest verfing. Innerhalb weniger Stunden entflammten über dreitausend Kommentare zwischen Frühstück und Gänsebraten. Der Aufreger ging viral. Von Besinnung, Frieden und Versöhnung keine Spur. Statt „Oh, du fröhliche“ wurde um jedes Wort gestritten. Von Hexenjagd war die Rede oder von einer frohen Botschaft aus Washington.     Zwei unversöhnliche Lager bekämpften sich: heftig, zynisch und mit gezielten Tritten unter die Gürtellinie. Wer ist der Schulhofschläger? Wer, das verfolgte Unschuldslamm? Die beiden Positionen: Uneingeschränkte Meinungsfreiheit versus Verbot von

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„Kein Mensch, kein Problem!“

Premiere von „Zwei Staatsanwälte“ im vornehmen Cinema Paris am Kurfürstendamm. „Das ist unser Weihnachtsfilm“, witzelt der junge Hauptdarsteller Aleksandr Kuznetsov. Er verkörpert den frisch gebackenen sowjetischen Regionalstaatsanwalt Kornew. Dem jungen Absolventen wird ein mit Blut beschriebenes Stück Pappe zugespielt. Darauf bittet ein Gefangener um Untersuchung seines Falls. Als der Staatsanwalt nach langem Ringen den Häftling aufsuchen kann, trifft er in einer stinkenden Einzelzelle den schwer misshandelten Jura-Dozenten Stepjanek. Er war sein Vorbild am Institut.  Es ist das Jahr 1937. Stalin sichert seine Herrschaft durch beispiellose Säuberungsaktionen. Etwa 800.000 Menschen werden in der Zeit des Großen Terrors erschossen. Der renommierte Regisseur Sergei Loznitsa inszeniert das Kerker-System des Stalinismus als kafkaeskes Labyrinth,

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Held der Arbeit

Wir brauchen sie. Andere erschaffen sie: Helden des Alltags. Sie helfen uns, den vielen Widrigkeiten zu trotzen. Am aufregendsten sind Helden wider Willen. Menschen wie du und ich, die über sich hinauswachsen. Wolfgang Becker ist so einer. Ein Mann, der im Stillen wirkte, hinter der Kamera, ohne großes Gedöns. Dieser Autor, Filmemacher und Kultregisseur. Good Bye, Lenin, sein Welterfolg. „Der witzigste deutsche Wendefilm aller Zeiten“, wie die internationale Presse jubelte. Vor genau einem Jahr ist Becker im Alter von siebzig Jahren verstorben. Bis zum Schluss hatte er an seinen letzten großen Kinofilm gearbeitet. „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße.“ Eine bittersüße Komödie vom Feinsten. Nach der Romanvorlage von Maxim Leo entwickelte

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„Mein Engel, mein alles, mein Ich“ 

Wann hat Sie der letzte handgeschriebene Brief erfreut? Wann haben Sie einen auf die Reise geschickt? Ja, mit Briefmarke draufgeklebt und zum Briefkasten getragen? – Vermutlich verdammt lang her. Im Zeitalter von WhatsApp, Snapchat und anderen Messenger-Diensten ist das Briefeschreiben völlig aus der Mode geraten. Es kommt noch dicker. Dänemark stellt als erstes europäische Land die Zustellung von Privatbriefen komplett ein. Ab Neujahr 2026 klingelt der Briefträger nicht mehr zweimal. Aus und vorbei. Die staatliche Post-Nord erklärt: In den vergangenen 25 Jahren sei das Briefvolumen um mehr als neunzig Prozent eingebrochen. Öffentliche Briefkästen werden abgebaut, Zustellnetze gekappt. Nach 160 Jahren Briefpost ist Schluss. Nur noch Pakete werden ausgeliefert.    

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„Man will einmal Ruhe haben.“

Zwölf Jahre lang recherchierte der Journalist Claude Lanzmann eines der dunkelsten Menschheitsverbrechen: den Massenmord an Millionen Juden in den Gaskammern. Der Sohn eines französischen Resistance-Kämpfers wollte wissen: »Was bedeutet es, nackt bei minus zwanzig Grad zu warten, bis man vergast wurde?« Herausgekommen ist 1985 ein aufwühlendes Roadmovie nach vielen Schwierigkeiten, gedreht mit einem kleinen Kamerateam, zwei Assistentinnen kreuz und quer durch Europa mit einem VW-Bus. Ein Mammutprojekt ohne Fördermittel. Ohne Fernsehen. Im eigenen Auftrag. Privat finanziert, stets bei knapper Kasse, rastlos auf der Suche nach Antworten dreißig Jahre nach dem Holocaust. Im Februar 1986 feierte Lanzmann auf der Berlinale Premiere. Ein Film wie kein anderer. „Shoah“ mit einer Länge von

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Sein Kampf

Lachen ist schön. Andere zum Lachen bringen, noch schöner. Lachen als Beruf kann wunderbar sein. Aber Augen auf bei der Berufswahl! Eigentlich sind schlechte Zeiten beste Zeiten für Satiriker, Komiker, Kabarettisten, Zyniker und Comedians aller Art. Wenn es den Menschen mies geht, „mach Komödien“, meinte einst 1,2,3-Altmeister Billy Wilder. Serdar Somuncu ist so einer, der seit Jahrzehnten Menschen zum Lachen bringt, dass es einem im Halse stecken bleiben kann. In Istanbul geboren, in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, gibt er den furchtlosen, unbeugsamen „Quoten-Kanake“. Wikipedia sortiert den Mann als Kabarettist, Autor und Regisseur ein. Studierter Schlagzeuger ist er auch. Die Bühne ist sein Leben, Provokation sein Geschäft. Motto: „Jede Minderheit hat ein Recht

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„Ich halte doch nicht die Luft an“

Anruf bei Cornelia Schleime. Wir kennen uns schone eine ganze Weile: „Wie geht’s Dir? Was läuft?“ – „Meinem Hund geht es schlecht. Susi ist 17, das wäre bei uns Menschen hundert. Ich kann nicht mehr verreisen. Geht nicht mit der alten Dame.“ – Und sonst? – „Ich mache einen Tango-Kurs.“ Wer Cornelia Schleime kennenlernt, wird sie nicht vergessen. Jetzt also Tango mit Wiegeschritt. So viel Energie, Tatendrang und noch mehr Lust auf Neues. Das Leben ist Tanz. Ihre künstlerischen Arbeiten sind derzeit auf gleich drei Ausstellungen in der Republik zu sehen: Augsburg, Stuttgart und Frankfurt/Oder. Kaum zu glauben. Cornelia Schleime ist mittlerweile 72 Jahre. In Denken, Fühlen und Handeln zeigt

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F*ck mich Finch

Wer kennt Finch? Fast alle Arme schnellen nach oben. Die 13- bis 15-jährigen Kids vom Gymnasium Strausberg II mögen ihn. „Der ist von hier! – Ein cooler Ossi, der sich nicht unterbuttern lässt. – Ein Unioner. – Super Texte“, lauten die Antworten. Ein Schüler durfte mit den Eltern zum Konzert. Gemeinsam mit 15.000 Fans in der ausverkauften Berliner Arena in Friedrichshain. Um Finch geht es auch beim Projekttag an einem ostdeutschen Gymnasium. In drei Workshops sollen Fragen zur Rolle der Mediennutzung von Literatur bis TikTok angesprochen werden. YouTube nutzen alle. YouTube hat Finch zum Star gemacht. Jetzt füllt der Rapper mit dem Ossi-Bonus die größten Hallen von Hamburg bis München.

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