post image

Wagners Götterdämmerung

Die Wagner-Gruppe ist in aller Munde. Putins Privatkrieger. Putins Söldner, Sträflinge und Pseudo-Putschisten. Warum eigentlich Wagner? Richtig. Gemeint ist Richard Wagner, der deutscheste aller Komponisten. „So sei des Reiches Kraft bewährt!“, heißt es im dritten Akt von Lohengrin. Solche Sätze gefielen Hitler – und auch Dmitri Utkin, Oberstleutnant der russischen 2. Spezialaufklärungsbrigade. 2014 gründete der Berufssoldat seine Privatarmee mit dem „Kampfnamen Wagner“. Utkin, Sohn eines Georgiers, wuchs bei seiner Mutter in der Ukraine auf. Zielstrebig baute er seine anfangs zehn Mann-Truppe zur Tausende Söldner zählenden starken Privatarmee aus. Sie kämpft im Ukraine-Krieg seit 2014 auf Seiten der Separatisten. 2017 wechselte Utkin zur Oligarchengruppe von Jewgeni Grigoschin, dem heutigen Wagner-Boss.

 

So sieht sich die Wagner-Gruppe selbst. Propaganda-Foto aus dem Ukraine-Krieg, August 2022. Quelle: telegram

 

Wagner-Gründer Utkin ist Anhänger der Ästhetik und Ideologie des Dritten Reiches. Der Russe trägt eine Tätowierung der Waffen-SS  und einen Reichsadler mit Hakenkreuz als Tätowierung auf der Brust. Während seiner Einsätze in Luhansk (Donbass) im Rahmen seines Einsatzes im Russisch-Ukrainischen Krieg legte er Wert darauf, dass seine Söldner Helme tragen, die denen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ähneln. Folgerichtig wählte er den Kampfnamen „Wagner“, Richard Wagner stand Pate.

Richard Wagners berühmt-berüchtigter Walkürenritt aus dem „Ring des Nibelungen“ dient häufig zur Untermalung für musikalische Kriegsverherrlichung. Hitlers Lieblingskomponist beschreibt im „Ring“ den Machtkampf zweier verfeindeter Systeme. Beide gehen am Ende unter. So liegen Parallelen zwischen Wotans Reich und Putins Welt auf der Hand. Wotan, der oberste Gott zürnt. Er beschließt die Welt untergehen zu lassen, weil er von den Menschen enttäuscht ist.  Alles geht schief, alles wird zerstört. Es folgt der Untergang der Götter im Weltenbrand, aus dem am Ende eine bessere Welt hervorgehen soll.

 

 

Wagners Walkürenritt mit seinen nach oben jubelnden Fanfaren liefert auch in Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegsfilm Apocalypse Now den passenden Sound für Tod, Zerstörung und Untergang. Gewiss ist: Der Komponist kann sich nicht wehren. Wie sieht die Wirklichkeit heute aus? Bis Ende Juni 2023 sind mindestens neuntausend tote Zivilisten in der Ukraine zu beklagen. Die Zahl der getöteten Soldaten bleibt auf beiden Seiten Staatsgeheimnis, liegt aber sicher mindestens um das Zehnfache höher. Im Ukraine-Krieg gibt es keine Sieger, nur Verlierer.

 

 

Putin hat sein Land in ein lupenreines Militärregime verwandelt, gespickt mit hochbewaffneten Privat-Armeen. Eine davon ist die Wagner-Truppe. Nationalismus und Imperialismus liefern das moralische Gerüst, beim zeitgleichen Vordringen einer Gefängniskultur in jede Pore des Alltags. Im heutigen Russland, so Autor Dmitri Gluhkovsky, existiere kein Schutz des Bürgers mehr durch Regeln oder Gesetze. Expansion sei die einzige gemeinsame Idee, die Russland noch zusammenhalte. Willkommen in Putins Wotan-Wagner-Reich. Eine Söldnerarmee mit dem Tarnnamen „Wagner“ marodiert mit dem Kampfnamen von Hitlers Lieblingskomponisten gegen die „Ultrafaschisten in Kiew“. Wie krank ist die Welt, die diesen Unsinn glaubt? Bis zur Götterdämmerung.

post image

Hatte die DDR jemals eine Chance?

DDR? Osten? Um Gottes willen, runzeln viele die Stirn. Großer Knast, hohle Sprüche, Scheitern auf der ganzen Linie. Nichts funktionierte außer leeren Versprechen und lauten Parolen. Viel Marx, noch mehr Murks, nur Petersilie auf dem Brot. Das Experiment ist krachend gescheitert. Und das ist gut so, meinen die Allermeisten. Merkwürdig: Das kleine Land ist dennoch nicht unterzukriegen. Wenn Merkels Abschiedslied „Michael, du hast den Farbfilm vergessen“ erklingt oder Oschmann in seinem Bestseller wütet: „Die Ostdeutschen; eine westdeutsche Erfindung.“ Je länger die DDR tot ist, desto schöner wird sie, hatte  der Schriftsteller Jurek Becker nach der Wende prognostiziert. Er sollte Recht behalten.

 

Gesehen in Hoyerswerda.

 

Heute träumen viele „endlich wieder“ von Ordnung und Sicherheit, von einem Land ohne Migration, Inflation, Corona, Ukraine-Krieg und Wärmepumpen. Ein Land, in dem man sich „nicht fremd fühlen muss“. Der häufigste Satz, den ich höre. Oder diesen: „Eigentlich geht es mir gut. Aber das Land steht am Abgrund. Nichts funktioniert. Bahn, Behörden, Politik. Dafür nur Mangel und Pfusch: Zu wenig Lehrer, Klempner, Pflegekräfte undsoweiter“. Typisch deutsch? Vermutlich. Diese Sehnsucht nach Erlösung durch einen Retter, die Angst vor Abstieg und die Wut auf die da oben, die nur an sich selbst denken und nicht mehr wissen, was im Volk los ist. Dazu ein unbändiger Hass auf öffentlich-rechtliche Medien, denen man keine Sekunde mehr über den Weg traut, aber dennoch einschaltet. Warum spukt die DDR noch in so vielen Köpfen? Ich glaube, sie hatte ein großes Versprechen. Ein besseres, gerechteres und soziales Deutschland wollte sie sein. Auferstanden aus den Ruinen, aufgebaut aus den Trümmern des Hitler-Systems. Doch hatte die DDR jemals eine ernsthafte Chance?

 

„Die Lehre von Marx ist mächtig, weil sie richtig ist.“ Jena, Anfang der fünfziger Jahre. Quelle: Stadtarchiv Jena

 

„Jugend erwach, erhebe dich jetzt, die grausame Zeit hat ein End! Und die Sonne strahlt wieder, die Strahlen hernieder, vom blauen Himmelsgezelt“, reimte 1947 der junge Marinehelfer Reinhold Limberg. Im Geiste der Nazis erzogen, hoffte der Zwanzigjährige auf einen Neuanfang. Limberg dichtete weiter: „Bau auf, bau auf, Freie Deutsche Jugend, bau auf! Für eine bessere Zukunft richten wir die Heimat auf.“ Limberg und viele andere wollten ein gerechtes, besseres, neues Deutschland. Sie räumten Trümmer weg, schufteten, allen Rückschlägen zum Trotz. Doch ihre Chancen standen schlecht. Während der Marshallplan in die neuen Westzonen über 1.5 Milliarden Dollar pumpte, beschlagnahmten die Sowjets zu selben Zeit in der Ostzone Waren und Güter, ganze Betriebe, Schienennetze und selbst Klettergerüste im Wert von etwa 14 Milliarden Dollar. Jeder DDR-Bürger musste das 130-fache an Kriegsschulden im Vergleich zum Bundesbürger-West stemmen. Bis zum Aufstandsjahr 1953 wurden sechzig Prozent der laufenden Ost-Produktion beschlagnahmt. Ein Ausverkauf, tödlich für Aufschwung und Arbeitsmoral.

 

Auge um Auge, Zahn um Zahn an der Frontlinie des Kalten Krieges. Berlin, Anfang der sechziger Jahre.

 

Hinzu kamen bürokratische, systemimmanente Aufbau-Fehler. In Folge von Bodenreform und Enteignung sank die Nahrungs-, Obst- und Gemüseproduktion dramatisch. Lebensmittel blieben in der DDR bis 1958 rationiert, im Westen bis 1950. Die anfangs rigide durchgeführte Entnazifizierung führte zum Fachkräftemangel. Ärzte, Ingenieure und Fachleute verließen das Land gen Westen. Allein im ersten Halbjahr 1953 meldeten sich 330.000 Menschen ab, darunter 37.000 Bauern. Nachdem 1951 der erste Fünfjahresplan in Kraft trat, bescherten Missernten durch Kartoffelkäferplagen einen Verlust von zwanzig Prozent. Da musste die Mär vom „Amikäfer“ her, denn die Plagegeister führten zu leeren Regalen. Dabei hatte der gelernte Tischler und SED-Aufbauleiter Walter Ulbricht versprochen, sein „fortschrittliches Deutschland“ werde das „imperialistische Deutschland“ in Sachen Lebensstandard rasch überholen. Einzig und allein im Aufrüstungsetat produzierte der neue Staat Rekorde. Die Streitkräfte wurden von 55.000 Mann Anfang 1952 innerhalb eines Jahres auf 113.000 Mann erhöht. Die DDR gab in ihren Jugendjahren 11% des Staatshaushalts für Militär und Sicherheit aus. Zum Vergleich: heute steckt das gemeinsame Deutschland etwa 2% in Armee und Rüstung.

 

Karl Marx an der „Touristen-Mauer“ in Berlin-Friedrichshain.

 

Am 17. Juni 1953 knallte es. Es kam in der neuen, sozialistischen Aufbau-Republik zum Aufruhr. Während im Westen allmählich das Wirtschaftswunder aufblühte, regierten im Osten Mangel und Missgunst, Wut, Frust und Enttäuschung. Eine zehnprozentige Normenerhöhung für die Arbeiterschaft brachte das Fass zum Überlaufen. 800, statt 700 Steine pro Stunde in der Stalinallee zu vermauern, waren genau 100 zu viel. Der Aufstand währte keine zwei Tage. Sowjetische Panzer rollten jeden Widerspruch nieder. Die DDR war gerettet. Aber zu welchem Preis? Was hinzu kommt: Der gesamtdeutsche Zeitgeist wollte „Keine Experimente“. So gewann Kanzler Adenauer seine Wahlen im Westen. Auch die Ost-Deutschen waren von Krieg und Hunger erschöpft. Sie wollten mit Politik und Parolen nichts mehr zu tun haben. Sie forderten volle Teller, ihre Ruhe und ein Leben ohne Not. Die DDR konnte ihre großen Versprechen nicht halten. Nicht in den entscheidenden Anfangsjahren, als alles möglich war: So blieb der Sozialismus, der Traum vom besseren Deutschland, eine Utopie, vor der Millionen Menschen einfach wegliefen.

post image

Wenn das Volk nicht mehr will

Es war, als würde ein Funke in ein Benzinfass fallen. Hunderttausende Menschen erhoben sich in der DDR innerhalb weniger Stunden. Arbeiter streikten am 17. Juni 1953 gegen ihre Arbeiterregierung. Aus über 700 Orten wurden Proteste gemeldet. Auslöser war die im April 1953 beschlossene zehnprozentige Normerhöhung. Doch die Ursachen für die Revolte lagen tiefer. Der Aufbau der DDR führte zu Wirtschaftskrisen, Mangelwirtschaft und allgemeiner Unzufriedenheit. Preise wurden erhöht, viele Waren gab es nur gegen Marken, waren unbezahlbar oder Mangelware. Die Verfolgung „objektiver Feinde des Aufbaus“ wie Unternehmer, Junge Gemeinden oder Andersdenkende mit Hilfe von Gummiparagraphen wie Boykotthetze füllte Gefängnisse. Zwischen Juni 1952 und Mai 1953 stieg die Zahl der Häftlinge in der DDR von 37.000 auf über 65.000 – eine der Hauptursachen für den Aufstand am 17. Juni 1953.

 

DDR 1953. Das Versprechen: Mit Marx in eine bessere Zukunft. Die Realität sah anders aus.

 

Hundertausende stimmten mit den Füßen ab, flüchteten aus Angst vor Verfolgung oder Enteignung in den Westen. Das Konstrukt Sozialismus in den Farben der DDR war nach wenigen Jahren am Ende. Moskau ließ seine Panzer von der Kette. In der offiziellen SED-Lesart war daher stets die Rede vom „faschistischen Putschversuch“, von bezahlten Agenten und Saboteuren aus dem Westen. Zum großen von Bert Brecht geforderten Gespräch zwischen Regierung und Volk hingegen kam es  nie – bis zum Untergang des Regimes 1989.

 

17. Juni 1953. Ausnahmezustand ab 13 Uhr. Die Revolte wurde niedergewalzt. Verhaftungen setzten ein. Regierung und Volk hatten sich nichts mehr zu sagen.

 

Der damals elfjährige Günter Töpfer wird am Vormittag des 17. Juni 1953 von der Lehrerin nach Hause geschickt. Doch der Schüler aus Jena ist neugierig und streift mit seinem Rad durch die Innenstadt. Er sieht, wie das Gefängnis gestürmt und Gefangene befreit werden. Er ist dabei, als FDJ-Kreisleitung, Gewerkschaftshaus und SED-Zentrale besetzt werden. Papiere, Schreibmaschinen und Gewehre fliegen aus den Fenstern. Beinahe wird Töpfer von einem Stalin-Bild getroffen. Der Junge erlebt, wie eine Frau Gewehre aus der SED-Kreisleitung an einem Gully zerbricht und unbrauchbar macht. Am frühen Nachmittag rollen sowjetische Panzer durch Jena und treiben rund 20.000 Menschen auseinander. Töpfer steht unmittelbar neben einem Panzer, als ein sowjetischer Offizier über die Köpfe der Menge hinweg Warnschüsse abgibt. Wenig später bricht der Aufstand in Jena zusammen. Dennoch bleibt der 17. Juni 1953 für den Bauingenieur ein Meilenstein auf dem Weg zum Fall der Mauer am 9. November 1989. Der Volksaufstand sei zwar gescheitert, aber nicht vergeblich gewesen, sagt der heute 81-jährigen Zeitzeuge.

 

Jena, 17. Juni 1953 gegen 14 Uhr. Sowjetische Panzer fahren in die 20.000-köpfige Menge. Quelle: Stadtarchiv Jena

 

Lutz Rackow ist damals 21 Jahre alt. Als Jungredakteur vom Ost-Berliner „Morgen“ erfährt er am Morgen des 16. Juni 1953 von seinem Bruder über wilde Streiks an der Stalinallee. Er setzt sich ohne Auftrag aus der Redaktion sofort auf sein Motorrad und folgt dem Protestzug durch Ost-Berlin. Die Arbeiter rufen: „Berliner reiht euch ein, wir wollen keine Arbeitssklaven sein“. Die Menge zieht zum Haus der Ministerien. Die Arbeiter wollen mit der Staatsführung über die Rücknahme der Normen verhandeln, doch SED-Politiker gehen auf Tauchstation. Von einem Baugerüst beobachtet Rackow die vielköpfige Protestversammlung, sieht an Brechts Berliner Ensemble einen umgestürzten Lautsprecherwagen Er ist dabei, als am Ostberliner Polizeipräsidium Gefangene befreit werden. Rackow geht am nächsten Morgen, am Mittwoch, den 17. Juni früh um sieben zum Strausberger Platz. Dort verhindert Kasernierte Volkspolizei der DDR einen geplanten Aufmarsch der Unzufriedenen. Als am Mittag rund 600 sowjetische Panzer Richtung Brandenburger Tor rollen, beobachtet Rackow das dramatische Geschehen vom Dach seiner Redaktion in der Ost-Berliner Taubenstraße. „Da war es vorbei“, meint Rackow. Über zehntausend DDR-Bürger werden verhaftet. Mindestens 55 Menschen kommen ums Leben. Der 91-jährige Zeitzeuge sagt heute, er empfinde diesen Tag dennoch als „Sieg und nicht als Niederlage“. Der 17. Juni habe der Welt gezeigt, dass die SED mit der Bevölkerung nicht einfach machen konnte, was sie wollte.

 

SED-Volkswacht (Jena) vom 18. Juni 1953. „Zusammenbruch des Abenteuers ausländischer Agenten in Berlin“. ´Quelle: Stadtarchiv Jena

 

Der 17. Juni 1953 war ein Trauma für die Arbeiter- und Bauernregierung. Die SED-Spitze beschloss, Geheimdienst und Sicherheitsapparat massiv aufzurüsten. Bis 1989 hielt das SED-Regime, dann implodierte der SED-Sozialismus, weil Michail Gorbatschow keine Panzer mehr schickte.

post image

Oh, happy day

Als der Regen einsetzt, jubeln Mensch und Natur, Fauna und Flora. Die völlig erschöpften Feuerwehrleute im märkischen Jüterbog sind aus dem Häuschen. Hilfe von oben gegen tagelange Waldbrände. Selbst in Berlin war der beißende Rauch  in den südlichen Randbezirken zu schmecken, ähnlich wie die gelbtrübe Rauchglocke über New York, die gespeist aus den Wäldern Kanadas zum Big Apple geweht wurde. In Kanada brennt es weiter. In Deutschland hatte einmal mehr ein stabiles Hochdruckgebiet wochenlang das Land im Griff. Die Erde ist Anfang Juni ausgetrocknet und mürbe wie Knäckebrot. Verkehrte Welt. Früher sehnte man sich nach dem nächsten Sonnenstrahl, heute checken viele ihre Wetterapp, ob es vielleicht mal wieder regnen könnte.

Ein deutscher Hotspot des Klimawandels ist Brandenburg, doch an der Spitze liegt die Region um Würzburg. Dort herrscht mittlerweile ein ähnliches Klima wie in Bordeaux. Die Erwärmung steigerte sich in den letzten Jahren um +5 Grad im Schnitt. Die dort liegende Bergtheimer Mulde (Unterfranken) ist eine der trockensten Regionen Deutschlands, die „Steppe Bayerns“. „Wir sind auf dem besten Weg zum Grundwassernotstand“, klagt der bayrische Umweltminister. Söders Freistaat erhebt dennoch keinen Wassercent. Noch kommt das kostbare Gut zuverlässig aus dem Wasserhahn.

 

Calvary Church. Inverness/Florida. Mai 2023

 

Wie wäre es mit einem Regentanz? Mit Singen und Beten für Regen? In vielen Ländern der Erde werden täglich Stoßgebete gen Himmel geschickt. 2.2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die „Sonne versengt Menschen mit großer Hitze“, heißt es in der Offenbarung von Johannes im Neuen Testament. „Flüsse und Quellen werden zu Blut“, so steht es über die Sieben Plagen der Endzeit. Als ich vor einiger Zeit einer Sonntagsmesse in der Calvary Church, einer eher liberalen US-Kirche in Florida beiwohnen durfte, fielen kräftige Worte über die Sünden der Menschheit. Kriege, Verbrechen, Drogen, Machtmissbrauch und Zerstörung unseres Planeten. Doch die Atmosphäre war anders als auf deutschen Kirchentagen. Die Calvary-Gemeinde pflegt das Motto: Komm-wie-du-bist. Die eher junge Gemeinde sang, tanzte und tobte durch den Saal, als stünden Tina Turner, Beyoncé und Aretha Franklin gemeinsam auf der Bühne, begleitet von Ray Charles am Piano und Louis Armstrong an der Trompete. Ein Gospel nach dem anderen. Oh, when s the saints go marching in…

 

 

Oh, Happy day! Gospel-Songs zielen auf Herz, Seele und Gefühl. Wann ist der Mensch glücklich? – Beim Singen, antwortetet die Priesterin in Florida. Daher ein paar Klassiker. Eine kleine Auswahl möchte ich gerne vorstellen.

Rock of Ages ist vermutlich einer der ältesten Gospel-Songs überhaupt. Das Volkslied stammt aus dem Jahr 1762, und wurde von Reverend Augustus M. Toplady geschrieben. Angeblich wurde der Pastor zu diesem Lied inspiriert, als er während eines Sturms Zuflucht unter einem großen Felsen fand. Der Song ist in viele Sprachen übersetzt worden, im Deutschen heißt er „Fels der Ewigkeit“. Im Video von 2016 ist Aretha Franklin zu hören, eine seltene Aufnahme aus der Baptistengemeinde ihrer Heimatstadt Detroit, entstanden kurz vor ihrem Tod.

 

 

Wie mit viel Hingabe, Fröhlichkeit und Leidenschaft die „Queen of Soul“ Aretha Franklin verabschiedet wurde, zeigt ein Ausschnitt mit Stevie Wonders Abschiedssong, gespielt auf ihrer Trauerfeier am 1. September 2018 in Detroit. Für den blinden Pianisten Wonder gibt es in Sachen Blues, Gospel und Spirituals keine zwei Meinungen. Sie sind für ihn die Quelle, aus der Menschen schöpfen können. Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum. Vielleicht hilft ein gemeinsamer Gospel-Song, die Erde zu heilen. Und vielleicht folgt darauf Regen und Sonnenschein.

 

https://youtu.be/sYmiB1WVN50

post image

„Wegen Feindbegünstigung“

Deutschland 1943. Hitlers Reich zwischen Stalingrad-Desaster und Endsiegversprechen. Goebbels trommelt im Berliner Sportpalast für den „totalen Krieg“. Ein heimlicher Flüsterwitz geht so: „Wer zehn neue Leute für die Partei wirbt, darf aus der Partei austreten; wer ihr zwanzig zuführt, erhält eine Bescheinigung, dass er ihr nie angehört hat.“ Witze, Kritik oder auch nur leise Zweifel am Endsieg sind äußerst gefährlich. Das muss der junge, talentierte Karlrobert Kreiten aus Düsseldorf erfahren. Der 26-jährige Starpianist („Der Paganini des Klaviers“) bereitet sich im März 1943 in der Berliner Wohnung einer Bekannten auf sein Konzert in der Philharmonie vor. Er ist dort zu Gast, darf am Blüthner-Flügel üben, schaut dabei unentwegt auf Hitler. In jedem Raum der großzügigen Altbauwohnung am Lützowufer 1 hängt ein Bild des „Führers“. Die 55-jährige Hausherrin Ellen Ott-Monecke ist überzeugte Nazi-Anhängerin. Das ahnt Kreiten, dennoch bleibt er sorglos. Sie ist doch eine alte Freundin seiner Mutter.

 

Der Pianist Karlrobert Kreiten (26. Juni 1916- 7. September 1943) mit Schwester Rosemarie. Quelle aller Fotos: http://karlrobertkreiten.de/

 

17. März 1943. Ein lockeres Frühstücksgeplauder nimmt einen verhängnisvollen Verlauf. Die beiden reden über den letzten alliierten Luftangriff. Der junge Kreiten kann den Mund nicht halten: Deutschland habe London zuerst angegriffen und trage damit die Schuld am Luftkrieg, antwortet er der klagenden Gastgeberin. Der Völkische Beobachter, das NS-Parteizeitung sei ein „Mistblatt. Alles Lug und Trug.“ Ellen Ott-Mohnecke ist entsetzt, sie hält dagegen. Kreiten antwortet: „Ich kann Ihnen nur raten, nehmen Sie die Führerbilder von den Wänden, denn sonst haben Sie große Unannehmlichkeiten.“ Die Frau kontert, der Führer sei ein Genie, der Krieg bald gewonnen: „Ja, wissen Sie denn alles das noch nicht. Kommen Sie vom Mond?“ Er steigert sich, Hitler sei krank, und einem solchen Wahnsinnigen sei nun das deutsche Volk ausgeliefert! … In zwei bis drei Monaten werde Revolution sein, und dann würden Hitler, Göring, Goebbels und Frick einen Kopf kürzer gemacht. Der Krieg sei längst verloren, was zum Untergang Deutschlands und seiner Kultur führen werde.

Der Tag ist gelaufen. Die beiden trennen sich unversöhnt. Kreiten absolviert in der Philharmonie ein umjubeltes Konzert mit Sonaten von Scarlatti und Mozart, Etüden von Chopin und dem Hauptwerk Franz Liszts Spanische Rhapsodie. „Das Publikum im Beethovensaal hält den Atem an – ein sensationeller Erfolg“, ist zu lesen. Was Kreiten nicht weiß. Seine Berliner Gastgeberin Ellen Ott bespricht sich mit ihren Hausnachbarinnen Frau Ministerialrat Annemarie Windmöller und Tiny von Passavant, eine ehemalige eher erfolglose Sängerin aus Düsseldorf. Alle drei Frauen sind absolut Hitlertreu und in der NS-Frauenschaft. Sie verfassen ein Wortprotokoll und melden den „vorlauten“ Pianisten bei der Reichsmusikkammer. Als nichts passiert und sie von einer Konzertreise Kreitens nach Florenz erfahren, legen sie nach – direkt bei Goebbels Propagandaministerium. Sie denunzieren den umjubelten Pianisten ein zweites Mal.

 

 

Jetzt schlägt das System zu. Kreiten wird am 3. Mai 1943 am Tag seines Konzertes in Heidelberg verhaftet. Er wird nach Berlin ins Prinz-Albrecht-Palais verbracht. Im Gestapo-Hauptquartier wird er wochenlang verhört, schließlich nach Moabit in U-Haft verlegt. Er hungert, kämpft mit Wanzen, übt auf dem Tisch mit den Händen seine Klaviersonaten, hofft inständig, dass alles nur ein Irrtum sei. Familie Kreiten bittet Prominente wie den Dirigenten Wilhelm Furtwängler um Unterstützung, bemüht sich auf allen Wegen um Freilassung. Keine Reaktion. Aus dem Nichts, ohne die Anwälte der Familie zu informieren, wird Karlrobert Kreiten am 3. September 1943 im Schnellverfahren von Volksgerichtshof-Präsident Roland Freisler zum Tode verurteilt – wegen „Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung“. Freisler brüllt, Kreiten habe sich „für immer ehrlos“ gemacht; er sei „in unserem jetzigen Ringen – trotz aller beruflichen Leistungen als Künstler – eine Gefahr für unseren Sieg“.

 

Karlrobert mit seiner geliebten Mutter Emmy. 1940. Der Pianist steht vor einer glänzenden Zukunft.

 

Am 7. September 1943 um 8 Uhr früh wird Karlrobert in Plötzensee eingeliefert. Haus III, das sogenannte Todeshaus, der Hinrichtungsraum und selbst die Guillotine sind wenige Tage zuvor durch einen Bombenangriff schwer beschädigt worden. Drei französische Gefangene konnten sogar fliehen.  Doch die NS-Justiz kennt kein Erbarmen. Am Abend des 7. September lässt sie alle Todeskandidaten im Hof antreten. In Gruppen zu jeweils acht Personen werden die Unglückseligen – darunter Karlrobert Kreiten – an einem Stahlträger wie im Schlachthof aufgehängt, immer jeweils acht, insgesamt 186 Menschen. Der „Massenmord“, so Anstaltspfarrer Harald Poelchau später, bei Kerzenlicht, Strom gibt es nach dem Bombenangriff nicht, dauert viele Stunden. Kreitens letzte Worte sind: „Macht euch keinen Kummer um mich“. Sein Sterben dauert mehrere Minuten. Amtlicher Todeszeitpunkt ist der 7. September 1943, 22.50 Uhr. Der junge Chopin-Interpret, das gefeierte „pianistische Phänomen der Zukunft“ wird 27 Jahre alt.

 

„Einlieferungsschein“ in Berlin-Plötzensee vom 7. September 1943.

 

Eine Woche nach seiner Hinrichtung ist im 12-Uhr-Blatt ein Kommentar über den „ehrvergessenen Künstler“ zu lesen: „Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, dass gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“ Der Durchhaltetext im Sound einer Hinrichtungshymne stammt aus der Feder von Werner Höfer, nach dem Krieg jahrzehntelang Leiter des populären WDR-Internationalen Frühschoppen. Als der erfolgreiche Moderator 1987 enttarnt wird, behauptet er, die „entscheidende Stellen seien hineinredigiert worden“.

 

Er wurde nur 27 Jahre alt. Karlrobert Kreiten liebte die Leichtigkeit des Seins, sein Klavier, das offene Wort und die Wahrheit.

 

Die Kosten des Justizmordes muss Familie Kreiten übernehmen. Für Haft, Urteil und Hinrichtung stellen die NS-Bürokraten nach seinem Tod 639,20 Mark in Rechnung. Die drei Denunziantinnen bleiben nach dem Krieg unbehelligt. Kurz vor Weihnachten 1948 stellt die Kölner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein. Zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten, heißt es, dazu fehlende konkrete Beweise, wer die Anzeige tatsächlich initiiert habe. Der Justizmord an Karlrobert Kreiten wird nie gesühnt. Was bleibt, ist eine leicht verkratzte Chopin-Aufnahme aus dem Jahre 1934 und der Auftrag an uns, solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht zu vergessen. Es darf sich nicht wiederholen. Gefunden habe ich die unglaubliche Geschichte des Pianisten Kreiten bei:

Oliver Hilmes. Schattenzeit. Deutschland 1943: Alltag und Abgründe. Empfehlenswert!

post image

Biko in der Waldbühne

Die zweite Zugabe rollt durch das weite Rund der Berliner Waldbühne. Für Steve Biko, kündigt Peter Gabriel auf Deutsch an, einen Mann mit besonderem Mut. Das Lied sei für alle Menschen in Südafrika, Russland, China und anderswo. Zwanzigtausend klatschen, singen, tanzen begeistert mit. Fäuste fliegen in den Berliner Abendhimmel. Die Masse feiert sich und Stephen Bantu „Steve“ Biko. Der Bürgerrechtler, der seinen Mut mit dem Leben bezahlte. Der unerschrockene Anti-Apartheidkämpfer, der Mitte September 1977 zu Tode geprügelt wurde, während das Regime die Lüge verbreitete, er sei an den Folgen eines Hungerstreiks gestorben. Peter Gabriel widmete Biko 1980 diese Hymne. Wie oft gespielt, wie oft gefeiert. Heilung, Support und Erlösung. Was Musik alles kann. Die Waldbühne ist beglückt und verzückt. Gabriel liefert der Ü50-Babyboomer-Generation den Soundtrack ihres Lebens. Ach, was für ein wunderbarer Frühlingsabend.

 

 

Bühne frei für die i/o-Tour. Der 73-jährige Peter Gabriel begrüßt die Menge in der Freilichtbühne auf deutsch. Er startet mit einer Art Kammerkonzert vor dem Konzert. Jetzt kommt die Flut. Growing up, look for a place to live. Ein stiller Auftakt mit Cello, Geige, Sitar, Waldhorn und Rowdies in knallorangenen BSR-Overalls. Gabriel stellt seinen neuen Titel des noch unveröffentlichten Albums i/o vor. Erst live, dann in studioperfekter Version. Ein Wagnis. Sein erstes Album nach 21 Jahren. Melancholische, mal düstere, dann eher verträumte Balladen. Gabriel moderiert die Songs an: „Jedes Kind soll Zugang zu Bildung nach maßgeschneiderten Bedingungen und zu niedrigen Preisen haben.“ Beifall, später: „Jeder kann seine Erfahrungen im Netz hochladen. Jede schlechte Erzählung wird erzählt.“ Oder: „Wie tiefst musst du sinken, damit du aufstehst, um dich frei zu fühlen.“ So klingt der Gabriel-Kosmos.

 

https://youtu.be/oAPdAG0CBow

 

Audio-Visual Arts bedeute, so der Brite, an jedem Detail zu arbeiten, um mit Kunst eine andere Welt aufzuzeigen. Die Bühne ist schlicht, sie dient als Forum für Effekte. Lichtspiele im Chagall-Blau. Videos mit explodierenden Pilzen, Blüten, die aufgehen, Bienen, die ausschwärmen. Motive von Ai Weiwei. Träumen und tanzen. Als Gabriel schließlich den Vorschlaghammer in Form von Klassikern aus der Archivkiste holt, springt das Publikum dankbar auf. Wie bei allen altgewordenen Helden aus der eigenen Jugend, funktionieren die alten Hits. Sledgehammer, Don`t give up, Red Rain, Big Time, in your eyes. Die Zwanzigtausend schunkeln bei Solsbury Hill mit: „Krieg muss man schwänzen. Spiel ohne Grenzen“.

 

Forever young? Peter Gabriel, mittlerweile 73 Jahre alt, und über ein halbes Jahrhundert ein Mann der Musik. Quelle: Wikipedia, 2011

 

Ein schöner Abend füllt Herz, Geist und Seele, während die Abendsonne langsam hinter der Bühne versinkt. Für den verwöhnten und leicht abgestumpften Großstadtmenschen liefert Mister Peter Gabriel ausreichend emotionalen Input und Output. Das Gefühl berührt: Ich bin ein Teil von allem. Ach, und die Frage: Wo ist die Straße auf dem Weg zum Glück? Lass sie uns suchen. Ein großes Lebensgefühl wird besungen. Musik kann die Welt ein wenig bewohnbarer machen. Bis der letzte Trommelschlag von „Biko“ verstummt.

post image

King Kong in Brandenburg

Von oben betrachtet wirkt Tesla wie ein riesiges, notgelandetes Raumschiff in der märkischen Streusandbüchse. Mächtig, raumgreifend, ein gewaltiges Versprechen für eine bessere Zukunft. Seit gut einem Jahr rollen vor den Toren Berlins in Grünheide jede Woche rund fünftausend neue Tesla Modell Y vom Band. Abgasfreie E-Autos, gefertigt von fünfhundert Robotern, darunter „King Kong“. Bedient und betreut von etwa zehntausend Mitarbeitern, seit kurzem im Dreischichtsystem. Eine Gigafactory, errichtet im Tesla-Eil-Tempo. In etwas mehr als zwei Jahren pflanzte Elon Musk sein Riesending zwischen Brandenburger Kiefern. „Wie ein Sonnenstrahl in dunkler Zeit“, jubelte Brandenburgs Regierungschef Woidke von der SPD bei der Eröffnung. „Wir können Deutschland-Tempo“, pflichtete Kanzler Scholz bei. „Die Ansiedlung ist ein Lottogewinn“, triumphierte Arne Christiani, der Bürgermeister von Grünheide alias Tesla-City.

 

Tesla-PR-Film. Mai 2023.

 

„Unser Erfolg beruht auf unserer Weigerung, Dinge so zu tun, wie sie schon immer gemacht wurden.“ Das Tesla-Motto. Diese Devise hat Elon Musk in Grünheide zu hundert Prozent umgesetzt. Selbstbewusst werden Erfolge vermeldet, Bedenken ignoriert oder einfach zur Seite geräumt. Bislang hätten Tesla-Modelle weltweit 8,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart, das entspreche über 20 Milliarden gefahrenen Kilometern, heißt es. Tesla hat viele Fans. Den Selfmademan Musk, der in Texas sein Mars-Projekt vorantreibt, scheint nichts aufhalten zu können. Bremsen Behörden, finden Tesla-Manager immer eine Lösung. Entweder wird einfach weitergebaut oder viele Genehmigungen erst nachträglich erteilt. Widersprüche von besorgten Bürgern werden hingehalten, nicht wenige erst nach zwei Jahren bzw. nach Fertigstellung der Anlagen beantwortet.

„Tesla ist Segen und Fluch für die Region“, sagt Sandra Ponesky vom Wasserverband Strausberg-Erkner, zuständig für 170.000 Menschen in der Tesla-Region. Das Megawerk liegt zu Teilen in einem Trinkwasserschutzgebiet. Im staubtrockenen Brandenburg fehlt mittlerweile jedoch die Regenmenge eines ganzen Jahres. Bereits im Hitzesommer 2018 wurde der Wasserverbrauch in der Region eingeschränkt. Dennoch gab es im September 2019 die Blanko-Zusage für Tesla-Chef Musk. Für die geplanten 500.000 Teslas pro Jahr in Grünheide werden 1.5 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. Tesla ist Großverbraucher, derzeit in der Größenordnung einer 40.000 -Einwohnerstadt. Wasser ist knapp. Nun sollen Abwasser recycelt werden, verspricht Tesla.

 

Tesla-Gigafactory in Grünheide. Bald sollen bis zu 12.000 Mitarbeiter das Modell Y auf die Straße bringen. Quelle: Tesla

 

„Hier ist quasi überall Wasser. Sieht das hier aus wie eine Wüste? Das ist lächerlich. Es regnet sehr viel. Wasser gibt´s hier im Überfluss“, kommentierte Musk vor Ort die Sorgen und Ängste von Anwohnern und Naturschützern. Namhafte Politiker standen grinsend daneben. Tesla will die Produktion weiter hochfahren. Im Endstadium würden sieben Millionen Kubikmeter Wasser benötigt, schreibt Autor Uwe Ritzer in seinem neuen Buch „Zwischen Dürre und Flut“. 1.721 Pfähle habe Tesla im Trinkwasserschutzgebiet ohne Genehmigung eingebracht. Das viele Wasser für Tesla, müsse daher auf Kosten der Allgemeinheit eingespart werden. Wegen der Wasserknappheit im Landkreis Oder-Spree darf jede Privatperson, die zuzieht, nur noch 105 L Wasser/Tag verbrauchen, gut 20 Liter weniger als der durchschnittliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch. So entstehen „blühende Landschaften“, doch dafür sollte jederzeit genügend Wasser vorhanden sein. Was tun? Es muss mehr regnen. Vielleicht kann Pioniergott Musk auch das noch anordnen?

 

Zwei Welten begegnen sich. Mitarbeiter-Parkplatz in Grünheide. Foto: Christian Heisig

post image

Noch einen Doppelten!

„Er hat sechzehn doppelte Whiskey getrunken – an einem Abend“, erzählt der junge Kellner im Trubel der vollen, altenglischen Kneipe. An den Tresen lärmt eine Gruppe junger Studenten. „Er hat hier in der Nähe gewohnt, war jeden Abend hier.“ Auf riesigen Flachbildschirmen links und rechts der historischen, hölzernen Eicheneinrichtung aus dem 19. Jahrhunderte flimmert Basketball. NBA-Playoffs. New York Knicks vs. Miami Heat. „Er war ein großer Dichter. Ja, das war er!“, ruft der Kellner noch. Seine Augen leuchten, dann verschwindet er, um seinem Job nachzugehen. Ich entdecke den standhaften Whiskeytrinker seitlich von den Tresen in der linken Ecke. Dort hängt Dylan Thomas im stabilen, goldenen Rahmen. Der Mann wurde 39 Jahre alt. Ein genialer Dichter und begnadeter Trinker. Das White Horse Tavern, seine Lieblingskneipe in Greenwich Village, überlebte er nicht. Der Kellner zwinkert mir noch mal zu. Dylan Thomas lebt weiter.

 

„Unsere Stadt, die unterm Milchwald ruht/die ist nicht ganz schlecht, und auch nicht ganz gut. Oh, lass uns den morgenden Tag noch sehen/ich bitte Dich, lass uns die Nacht überstehen/und wir neigen uns vor deiner Sonnen Pracht/und sagen Lebewohl, aber nur für heute Nacht!“ Dylan Thomas. Unter dem Milchwald.

 

Wer war Dylan Thomas? Der Waliser gilt als Ausnahme-Lyriker des 20. Jahrhunderts, ein gefallener Engel, Trunkenbold und Schürzenjäger. War er der Village Drunk, der Dorfsäufer? Es gibt viele Klischees, die Dylan Thomas (1914 – 1953) angehängt wurden. Er bleibt ein weltberühmter Unbekannter. Bereits zu Lebzeiten war Dylan Thomas ein Multimedia-Star, und er hat mit seinen Versen viele Künstler beeinflusst: Bob Dylan, Igor Strawinsky, die Rolling Stones und die Beatles. Die Schauspielerin Catherine Zeta Jones, selbst Waliserin, nennt ihre eigene Produktionsfirma „Milchwald“. Van Morrison und John Cale haben Songs nach Thomas-Versen komponiert. Van Morrison widmete ihm sein Lied „For Mr. Thomas“. John Cale „Velvet Underground“ vertonte seine Gedichte.

 

Dylan Thomas (1914-1953). Der Waliser war Namenspatron für Bob Dylan, der ihn verehrt.

 

Seine berühmteste Geschichte heißt „Unter dem Milchwald“, übersetzt von Erich Fried. Zwanzig Jahre hat er an jedem Wort gefeilt. Die Kleinstadtgeschichte spielt in Llarregub. Rückwärts gelesen bedeutet Bugger all = Rein gar nichts. Die Nichtsnutze. An der Kneipe steht: „Drink till late“, was sollte man auch sonst tun? Ein Frühlingstag. In einer mondlosen Nacht beginnt alles. Stunden, in denen die Toten sprechen, die Ertrunkenen. Bald melden sich die Einsamen und Liebenden in ihren Betten zu Wort. Es ist nur ein Tag von vielen, dem andere vorausgegangen sind und andere folgen werden. Kneipenwirt Sindbad verzehrt sich nach der spröden Schullehrerin Gossemer Beynon, die auch will, aber sich nicht traut. Briefträger Willy Nilly kann den Empfängern immer erzählen, was drinsteht, weil seine Frau alle Briefe aufdampft. Beim aufbrausenden Metzger Beynon gibt´s auch Katze. Den blinden Käptn Cat besuchen seine ertrunkenen Seeleute. Kritikerpapst Friedrich Luft war nach der Premiere 1955 aus dem Häuschen. „Seine quellende Sprache senkt sich wie ein warmer Regen über eine Landschaft des Alltags. Und siehe, nun blühen die Kleinstadtfiguren, werden spektakulär, werden in all ihrer Spießigkeit interessant, rund, tragisch oder komisch.“

 

Das White Horse Tavern. Seit 1880 Hort für Whiskey-Fans und Kneipennostalgiker. NYC. Greenwich Village. 567 Hudson.

 

So klingt der Dylan-Sound: „Anfangen, wo es anfängt: Es ist Frühling, mondlose Nacht in der kleinen Stadt. Sternenlos und bibelschwarz, die Kopfsteinpflasterstraßen still und der geduckte Liebespärchen- und Kaninchenwald humpelt unsichtbar hinab zur schlehen-schwarzen, zähen, schwarzen krähenschwarzen fischerbootschaukelnden See.“ Das großartige Stück wird wegen der siebzig Sprechrollen nur selten gespielt. Zu aufwändig. Aber das kleine Theaterdorf Netzeband, knapp hundert Kilometer nördlich von Berlin, zelebriert seit über 25 Jahren das Kultstück des bei uns nahezu unbekannten Dichters. Diesen Sommer wird wieder Ende Juni/Anfang Juli 2023 gespielt. Ein Erlebnis mit überlebensgroßen Puppen, 55 Stimmen vom Band und zum Abschluss die Dylan Thomas gewidmete Hymne: „Stairways to heaven“. Hingehen. Jede Minute lohnt sich.

 

 

Die Legende erzählt, Dylan Thomas habe den Riesenerfolg seiner ersten szenischen Lesung in New York im November 1953 drei Tage und Nächte lang im White Horse Tavern gefeiert. Danach sei er tot umgefallen. Die Bühnenpremiere hat Dichter Thomas jedenfalls nie erlebt. Ich trinke mein 9-Dollar-Bier aus und gehe mit meinem Freund hinaus in die laue Nacht von New York. Die Stadt grüßt mit dem nervigen Sirenensound vorbeirasender Rettungswagen.

post image

Was Nationen vereint

Was treibt uns an? Glaube, Liebe, Hoffnung! In New York steht ein Haus, in dem Menschheitsträume wahr werden sollen. Eine Welt ohne Kriege, ohne Hunger, Armut, Ausbeutung und allmächtige Despoten. Ohne unvorstellbaren Reichtum und himmelschreiende Not. Dieses Haus hat viele Etagen, steht trotzig-mächtig am East River von New York. Hier gelten eigene Gesetze und Regeln, die der Vereinten Nationen.  Was für eine großartige Idee. 193 Staaten treffen sich hier – von Afghanistan bis Zambia (englische Schreibweise), um Lösungen zu suchen, um Umweltzerstörung, Genozide und immer wieder neue Kriege zu verhindern, wie gerade in der Ukraine, im Sudan oder Jemen. Das große Haus, entworfen vom Brasilianer Oscar Niemeyer, entstand nach 1945 auf den Trümmern des II. Weltkrieges mit der atomaren Eskalation von Hiroshima und Nagasaki.

 

Das Haus am East River. Seit 1945 gibt es die Vereinten Nationen.

 

Wer die UNO besucht, wird von einer Pistole mit verknotetem Lauf begrüßt. „Non Violence“ heißt die Skulptur des schwedischen Künstlers Carl Fredrik Reuterswärd. Sie ist John Lennon gewidmet. Errichtet 1988, ein Jahr vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa, als Luxemburg „The knotted gun“ der UN schenkte. Im Innern des Weltparlaments sind Friedensbotschaften in Form und Ausstellungen und Gemälden anzutreffen. Im Untergeschoß heißt es zur ambitionierten „UNO-Agenda 2030“: „One child, one teacher, one book and one pen can change the world”. Auf jedem Schritt grüßen Mahnzeichen. Holocaust, Genozide in Ruanda, Kambodscha, Bosnien-Herzegowina oder die fatalen Langzeitfolgen von Landminen in Vietnam, in der Ukraine und anderswo. Das ganze Haus atmet ein Stück Weltgewissen. Doch stets klingt die Botschaft mit, eine bessere Welt ist machbar. Wirklich?

 

Schwerter zu Pflugscharen. Skulptur im Garten der UN. (nicht öffentlich zugänglich)

 

„Willkommen im Haus der Vereinten Nationen. Hier werden alle wichtigen Fragen der Menschheit behandelt“, begrüßt der Guide die Besuchergruppe. Der junge Mann führt uns bei seiner einstündigen Tour sogleich in das Heiligtum: Der Saal des Ständigen Sicherheitsrates. Gedämpfte, geradezu weihevolle Atmosphäre. Mit blauen (für die UNO), roten (Krieg/Konflikte) und grünen (Hoffnung) Stühlen. Über 9.300-mal hat der Sicherheitsrat getagt. 15 Mitgliedsstaaten verhandeln hier, fünf mit Vetorecht in sechs Verhandlungssprachen. Hier wird gestritten, gefordert und blockiert. Eine bessere Welt? Weniger Kriege? Eine Reform des Sicherheitsrates? Klingt unmöglich. Ist die UNO also ein Papiertiger? Der kompetente Guide spürt unsere Skepsis. Die Gruppe ist so vielfältig wie die Besatzung der Arche Noah. Menschen aus allen Kontinenten sind zusammengekommen.

 

Sitz des Sicherheitsrates. Herzstück der UNO. Zahnloser Tiger oder wichtiges Instrument der Krisenlösung?

 

„Die UNO hat viel erreicht“, betont der UN-Mann, als wir den Sicherheitssaal verlassen haben. 1945 seien mehr als die Hälfte der Länder dieser Erde Kolonien gewesen. Die UNO habe das Ziel der Dekolonisation erreicht, das letzte Land – die Inselgruppe Palau – habe 1994 ihre Unabhängigkeit von den USA erreicht. „Ist das nichts?“ Wir streifen über teppichgedämpfte Flure zum Großen Plenarsaal. Sitz der UN-Vollversammlung. Vor einem Bildschirm mit den 17 Zielen der UN bis 2030 – Abschaffung des Hungers bis sauberes Wasser für alle – sagt der Guide: „Heute haben wir weltweit das Wahlrecht für Frauen. Wer hat das Stimmrecht als erstes eingeführt?“ – Eine Französin ruft Neuseeland. „Richtig, 1893. Und wer als Letztes?“ – „Das waren wir, erst 1971“, bemerkt ein Ehepaar aus der Schweiz, verlegen lächelnd. Der Guide grinst: „Sehen Sie. Die Welt ändert sich. Das Beste: alle können sich auf die UN-Charta berufen. Ist doch eine Menge!“

 

Die Statue Saint Agnes hat im August 1945 wie durch ein Wunder den Atomschlag von Nagasaki überstanden. Nur die Rückseite ist verkohlt.

 

Im großen Saal erzählt der UN-Guide von Fidel Castro, der statt fünfzehn Minuten vier Stunden geredet hat. Danach folgt die berühmte Anekdote von Sowjetführer Nikita Chruschtschow. Als der philippinische Delegierte dazwischenrief, zog Chruschtschow den Schuh aus und polterte mit ihm auf das Rednerpult. „Mehr Gewalt gab es in diesem Saal nicht“, lacht der Guide. Die Stunde ist um, die Tour zu Ende. Es geht zum Ausgang, vorbei an der Statue von Saint Agnes aus Nagasaki, die wie durch ein Wunder die Atombombe am 9. August 1945 heil überstand. Nur ihre Rückseite ist rußgeschwärzt. „Noch Fragen?“ –  Nein. Beifall brandet auf. Auf Wiedersehen in dem Haus, das so viele Hoffnungen schürt und mindestens so viele Enttäuschungen produziert hat. Eine große Menschheitsidee, langsam wie eine Schnecke. Aber eine UN, die dennoch unverzichtbar ist. Ein Besuch, der sich lohnt.

 

The Arc of Return. 2015 weihte die UN das Mahnmal für die Opfer der Versklavung ein. (nur mit Besucherausweis zugänglich)

post image

Thank you for travelling

Geschafft. Endlich zuhause. Mit exakt 84 Minuten Verspätung von Hamburg nach Berlin. „Sänk yu for träveling with Deutsche Bahn“, trö(s)tet die Stimme aus dem knarzenden Bord-Lautsprecher. Egal. Hauptsache angekommen. In den letzten Wochen bin ich viel gereist. Kreuz und quer durch Deutschland. Berlin, Hamburg, Stuttgart, Leipzig, Jena, Bodensee. Ein Genuss in vollen Zügen. Die Bahn mein Freund und Helfer. Halleluja!  Ich gehöre zu den rund 155 Millionen ICE-Reisenden in diesem Jahr. Ich bin Teil der Verkehrswende. – Und? Es ist auf jeden Fall nie langweilig. Ich habe viel gesehen, noch mehr erlebt, mehr als einmal gestaunt und mich manches Mal geärgert. Bereits die Abreise ist ein Abenteuer. Warten am vollen Bahnsteig. Die Wagenreihung ändert sich. Funktionierende Hinweistafeln: Fehlanzeige. Also Konzentration: strategisch positionieren, durchatmen, losrennen, den Waggon entern, zum reservierten Platz durchkämpfen. Den bereits sitzenden Mitreisenden höflich zum Aufstehen bewegen. Wenn es klappt, dankbar in den Sitz sinken. Wie schön.

 

 

Die Reise beginnt. Doch nach kurzer Fahrt fährt der ICE langsamer, bleibt stehen. Jetzt heißt es: „Verspätung durch vorausfahrenden Zug oder dichte Zugfolge oder Notarzteinsatz oder betriebsfremde Personen im Gleisbett“. Kurzum: Man steht wie auf der vollen Autobahn. Meine Bilanz: Mehrere Male Anschlusszüge verpasst. Notwendig sind ferner: Training der Schließmuskeln, Unterdrückung des Harndrangs bei häufig geschlossenen oder verstopften Toiletten. Proviant vorab sichern, das hochpreisige Bordrestaurant ist entweder voll, ausverkauft oder wegen Personalmangel ganz geschlossen. Kein Wunder, dass das neue 49-Euro-Ticket nicht ICE-kompatibel ist. Der versprochene Deutschland-Takt? – jede Stunde in jeder größeren Stadt ein überregionaler Zug –. Er wurde von 2030 auf 2070 verschoben. Verkehrswende? Was ist das?

Was erstklassig am Bahnreisen ist. Der Fahrgast genießt Einblicke in die gesellschaftliche Wirklichkeit des Landes. Ein Stimmen-Potpourri: „Das ist mein Platz. Sorry, den habe ich auch reserviert.“ – Der Lauttelefonierer: „Jawohl, Frau Krause, so machen wir das. Ist mein Hotel storniert?“ Die Ehegattin: „Hasilein. Du hast heute noch keinen einzigen netten Satz gesagt, den ich mir merken möchte.“ Der Vielfahrer zum Sitznachbarn: „Die können das einfach nicht. Die Bahn ist mein Schicksal. Zu teuer, zu voll, zu spät.“ Immerhin läuft die Bahn-PR-Maschine auf Hochtouren. „Bonus-Reisen, Komfort-Check-In, „Mehr Bahn für alle!“. In der Bahnwerbewelt hängt die Welt voller Geigen. Tja. Deshalb erstklassige Preise, zweit- bis drittklassige Realität. Es knarzt wieder der Lautsprecher: „Sie werden leider nicht alle Anschlüsse erreichen. Unsere Verspätung liegt bei mittlerweile 35 Minuten. Wir bitten um Entschuldigung.“

 

Vieles passt bei der Bahn nicht zusammen. Folge verfehlter und/oder unterlassener Bahnpolitik der letzten Jahre durch die Minister Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt, sehr kurz Christian Schmidt, Andreas Scheuer. Alle aus Bayern, alle von der CSU. Foto: holzijue

 

Im vergangenen Jahr war die Deutsche Bahn so unpünktlich wie seit zehn Jahren nicht mehr. Trotzdem spendierten sich die Chefs Boni. Vorstandsvorsitzender Richard Lutz erhielt 2022 exakt 2,24 Millionen Euro. Macht ein Plus von 1,26 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hat mittlerweile die Boni-Zahlungen für Manager (+14%) vorerst gestoppt. Motto: kein gutes Geld für schlechte Leistungen. Für alle Bahnmitarbeiter soll es nach Warnstreiks übrigens 5% mehr Lohn geben.

Der Bahnsong von Wise Guys ist mehr als zehn Jahre alt. Was hat sich geändert?

 

Trotzdem kann Bahnfahren so schön sein. Wie reizvoll ist ein Fensterplatz. Das Land zieht vorbei. Kein Stress, kein Stau, dazu dank Öko-Strom ein sanftes Klima-Gewissen. Zusätzlich immer wieder Überraschungen. Kurz vor Berlin herrscht im überfüllten ICE Aufregung. Zwei junge Kids rennen die Gänge entlang. Die Schaffnerin hastet atemlos hinterher. „Ihr seid ohne Tickets, dazu noch minderjährig.“ Der Zug hält an. Die Türen öffnen sich. Die Jungs rennen hasenschlagend Richtung Ausgang. Die alarmierte Polizei steht am anderen Ende. Der ICE ist lang. Um die 350 Meter. Da kommen die Ordnungshüter nicht hinterher. Die beiden Flitzer haben offenbar das Deutschland-Ticket für Null Euro gewählt. Die Schaffnerin atmet schwer, lässt die Schultern hängen. Wer möchte schon ihren Job machen?

Hier noch ein paar Tipps zum Entspannen. Die besten Bahn-Songs.