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SÄCHSISCHE ZEITUNG

Die Mata Hari aus Hoyerswerda

ZDF-Journalist Christhard Läpple hat die Karriere einer Auslands-Agentin im Kalten Krieg recherchiert. Ihre wenig erfolgreiche Spionage-Laufbahn begann an der Schule im WK VI.

Von Mirko Kolodziej

 

Zwischen Übertreibung und Beschwichtigung, zwischen Dämonisierung und Verdrängung, sagt Christhard Läpple, sei in der Diskussion über den DDR-Geheimdienst lange die Genauigkeit auf der Strecke geblieben. Der Fernsehjournalist hat versucht, diese Genauigkeit hinzubekommen. Sein Sender, das ZDF, hatte ihn vor ein paar Jahren beauftragt, den Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf die Mainzer An- stalt zu recherchieren. Er las also unzählige Akten und machte sich auf die Suche nach Zeitzeugen.

 

Einer seiner Wege sollte ihn dabei nach Hoyerswerda führen. Läpple hat unter anderem das sowohl in einer Fernsehdokumentation mit dem Titel „Die Feindzentrale“ als auch in seinem Buch „Verrat verjährt nicht“ nachgezeichnet. Christina heißt die Frau, wegen der Läpple an die Schwarze Elster kam. Sie ist heute 61 Jahre alt und lebt in Hamburg. Ihre Karriere als Stasi- Agentin in der Bundesrepublik aber begann an der POS X „Otto Grotewohl“ im WK VI, der heutigen Mittelschule „Am Planetarium“. Christina war dort als Lehre- rin beschäftigt, als sie hier 1977 Be- such von zwei MfS-Männern be- kam. Ihr eigener Mann, ein Stasi- Zuträger, hatte ohne ihr Wissen zu einem Anwerbeversuch geraten. Die junge Frau stimmte zu. „Sie hatte so idealistische Vorbilder“, sagt Christhard Läpple.

Was folgte, könnte sich kein Autor von Agenten-Thrillern besser ausdenken: Christina lernt in Leipzig im Zuge der Promotion einen Mann aus Tansania kennen und lieben. Die Stasi schleust beide als Spionage-Pärchen in den Westen ein. Ihren kleinen Sohn muss Christina in der DDR zurücklassen. Zuvor hatte sie sich umfangreich schulen lassen, lernte den Umgang mit Kleinbildkamera, Geheimtinte und chiffriertem Funkverkehr. „Sie sollte so ei- ne Art Mata Hari werden“, schätzt Christhard Läpple ein.

Über Mata Hari, die niederländische Tänzerin, die ab 1915 für die Deutschen spitzelte, heißt es bei Wikipedia, ihre Tätigkeit sei schlicht bedeutungslos gewesen. So ähnlich war das laut Aktenlage auch mit den Informationen, die Christina als Agentin der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS lieferte, unter anderem von einem Praktikum in der damals neuen Abteilung Zeitgeschichte des Zweiten Deutschen Fernsehens. Die Stasi hätte die meisten Dinge auch in westdeutschen Zeitungen nachlesen können. 1988 stieg die Mata Hari aus Hoyerswerda von sich aus dem Spionagegeschäft aus.

 

Besuch in der Collinsstraße

Als Christhard Läpple sie während seiner Recherchen anrief, war sie zunächst erschrocken. Dann stimmte sie zu, ihre Geschichte zu erzählen, ging sogar vor die Kamera. Gleichzeitig offenbarte sie sich Verwandten, Freunden, Bekannten und den einstmals von ihr Bespitzelten, darunter ZDF-Autorin Barbara Lueg oder Willy Brandts ehemaliger Redenschreiber Klaus Harpprecht. Es war wohl eine Art Befreiungsschlag. „Die meisten haben Verständnis gezeigt, auch Respekt für die Offenheit gezollt“, schildert Christhard Läpple, der schließlich mit Christina nach Hoyerswerda fuhr, um Erinnerungen an die Oberfläche zu holen. Leipzig oder Mainz standen hingegen gar nicht zur Diskussion. „Sie wollte list. Sie erinnerte sich an die Zeit, in der man in Teilen der Neustadt noch Gummistiefel brauchte, an den Aufbruchsgeist. Sie guckte auch nach ihrer Altstadt-Wohnung.

 

Zwei Tage dauerte der Besuch in Hoyerswerda. „Es war für sie fast schockartig“, entsinnt sich Läpple. Er sagt, ihn habe interessiert, was Christina von anderen unterschieden hat. Er war auf die Suche nach dem Antrieb einer Agentin gegangen. In Film und Buch zeigt er aber mehr oder weniger einfach eine Frau unter recht abstrusen Bedingungen, deren Lebensweg ihr wohl vor allem den absoluten Glauben an idealistische Ziele genommen hat. „Ich habe begriffen, dass ich von meinem Schwarz-Weiß-Denken wirklich in die Mitte gerückt bin, dass ich heute Grautöne akzeptiere und dass ich behutsamer mit Menschen umgehe, dass ich politisch Andersdenkende anhören kann, ohne in ihnen gleich Gegner zu sehen“, wird Christina jedenfalls in „Verrat verjährt nicht“ zitiert.

 

Verrat verjährt nicht – Lebensgeschichten aus einem einst geteilten Land, Christhard Läpple, Hoffmann und Campe, 19,95 Euro, 350 Seiten, ISBN 978-3-455-50088-2

 

Hoyerswerdaer Tageblatt 31.05.2012

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LEIPZIGER VOLKSZEITUNG

Kein ganz normales Land

In der Talk-Nacht in der LVZ-Kuppelhalle diskutieren neun Autoren über Deutschland

Deutschland  ist  das  beliebteste  Land der Welt. So lautet die Eingangsthese zur  doppelten  „Deutschstunde“  am Donnerstagabend  in  der  Kuppelhalle der LVZ, bei der Gemeinschaftsveranstaltung  mit  ZDF  aspekte,  Deutschlandfunk und Club Bertelsmann. Neun Gäste  nehmen  das  Selbstverständnis der  Deutschen  unter  die  Lupe  –  zwischen  historischem  Schuldrucksack, Sommermärchen-Leichtigkeit  und „German Angst“.

Von DIMO RIESS

Es ist das Ergebnis eine Umfrage der BBC, die Aspekte-Moderator Christhard Läpple zu Beginn der ersten Talk-Runde mit  Henryk  M.  Broder,  Lena  Gorelik, Halldór  Gudmundsson,  Inge  Kloepfer und Cornelius Weiss aus dem Hut zaubert.  Deutschland  ist  das  beliebteste Volk der Welt. An der Belastbarkeit solcher  Erhebungen  darf  gezweifelt  werden. Wichtiger sind die Reaktionen: Innen-  und  Außensicht  divergieren. Journalistin  Inge  Kloepfer,  die  im  Ausland  ihre  Herkunft  gern  verschleiert, zeigt sich überrascht.

Halldór  Gudmundsson  hingegen,  isländischer  Schriftsteller  und  Verleger,  wundert sich über das Ansehen der inzwischen „sehr relaxten“ Deutschen gar nicht.  Zwischen  diesen  Sichtweisen spannt  sich  die  Diskussion  auf,  und  es fallen  die  erwartbaren  Begriffe  wie Ordnung,  Verschlossenheit  und  Planungssicherheit.  Ob  diese  Charakterisierungen  nun  fortgelten  (die  in  Russland  geborene  Schriftstellerin  Lena Gorelik kam als Kind nach Deutschland und  empfand  die  Menschen  als  verschlossen)  oder  über  Bord  geworfen werden  mit  einer  „Italienisierung“  der Lebensart, wie sie später Thea Dorn diagnostiziert und Freude am Risiko, das Broder  an  den  Börsen  erkennt.  „Die Deutschen  sind  ein  Volk  von  Zockern geworden.“

Es fällt dabei zweierlei auf: Eine neue Leichtigkeit glaubt man sich selbst nicht, weshalb  auch  an  diesem  Abend  der langsam  vergilbende  Beweis  Fußball-WM  2006  bemüht  wird.  Und:  Früher oder später landet die Debatte bei dem Begriff  „Stolz“.  Spätestens  dann  ist  es mit  der  Leichtigkeit  endgültig  vorbei. Gorelik:  „Wir  sind  die  einzige  Nation, die  darüber  diskutiert.“  Gudmundsson hält  Stolz  auf  die  Heimat  für  normal, würde  Deutschland  eine  Normalität  in dieser Hinsicht gönnen. Cornelius Weiss, einst  Rektor  der  Universität  Leipzig, rückt das zurecht: „Sie haben auch nie Island, Island über alles gesungen.“

Deshalb sucht die jüngere Generation weiterhin  nach  differenzierten  Antworten.  Kloepfer  zitiert  ihre  Tochter,  die stolz sei, dass bei 80 Prozent der Schüler ihres Charlottenburger Gymnasiums zu Hause noch eine zweite Sprache gesprochen wird. „Dann ist sie stolz, sich selbst abzuschaffen“, folgert Broder, der damit  die  verbale  Strickleiter  zu  Thilo Sarrazin herablässt – und kaum Widerspruch erntet.

Da streift, wie könnte es in der Folge des Wulff-Rücktritts anders sein,  die  Diskussion  auch  die  politische Führungsebene  zwischen  Volkskammerwahl am 18. März 1990 und Bundesversammlung am 18. März 2012. Mit Gauck und  Merkel  werden  dann  zwei  Ostdeutsche  höchste  Führungsämter  bekleiden. Was,  so  Broder,  von  den  westdeutschen Eliten  als  Kränkung  empfunden  werde. Ein  wenig  Triumphgefühl  schwingt  mit im Raum. Verständlich. Nur kommt niemand  auf  die  Idee,  den  politischen  Vorgang fast 22 Jahre nach der Wiedervereinigung  als  selbstverständlich  zu begreifen. Es ist eben doch noch ein wenig hin zu der Normalität, die Gudmundsson den Deutschen gönnen würde.

Hatte nicht viel mit dem zu tun, was man aus der Schule kennt: Die doppelte Deutschstunde in der Kuppelhalle der LVZ.

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ECKERNFÖRDER ZEITUNG

Stasi veränderte das Leben aller

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Christhard Läpple stellte auf Einladung des Baltic Sea International Campus sein Buch “Verrat verjährt nicht” vor

Eckernförde. “Für mich war das heute eine spannende Diskussion. Auch anders als in anderen Städten. Durch Gaucks Eckernförde-Besuch im März 2011 und die aktuellen Entwicklungen hat das Thema eine neue Qualität bekommen”, wird Christhard Läpple später den Abend beurteilen. Aber der Reihe nach: Läpple, Redaktionsleiter der Sendung “Aspekte” im ZDF, las auf Einladung des Baltic Sea International Campus (BSIC) vor rund 60 Gästen Passagen aus seinem hochinteressanten Buch. Für “Verrat verjährt nicht – Lebensgeschichten aus einem einst geteilten Land” nahm Läpple mit Menschen Kontakt auf, die nach Aktenlage als Informanten für die Stasi tätig gewesen sind.

“Von hundert Leuten kamen neunundneunzig Absagen…” Es gäbe da ein Sprichwort: ‘Man liebt den Verrat, nicht aber den Verräter’, erklärt sich der Gast die vielen vergeblichen Anfragen. Anhand eines Geschwisterpaares, das sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt, schildert Läpple, wie sich die Dinge verhielten, damals in der DDR. Die Schwester flüchtet, der Bruder baut sich seine Existenz im Ostteil des Landes auf. Er erwähnt bei seiner Anwerbung durch die Stasi, ihn würden Welten von seiner Schwester trennen. “In Wirklichkeit waren es nur wenige Kilometer. Er wohnte in Ost-, sie in West-Berlin”, so Läpple. Der Bruder bildet Gysi zum Melker aus (“Er konnte viel und gut reden, war aber ein schlechter Melker”), nimmt seine Aufgaben im Betrieb sehr ernst, trifft sich mit Stasi-Offizieren und mit seiner Schwester. Im Interview ereifert er sich: “Ich? Ein gemeiner Stasi-Spitzel? Ich habe nichts Verbotenes getan.” Die Schwester sei schuld. Sie sei doch abgehauen. In der folgenden Diskussion nennt ein Zuhörer das Beispiel der Geschwister eine “Bagatelle”. Ein anderer fragt, ob man denn nun weiter aufarbeiten oder damit aufhören solle. Läpple weiß, dass mehr als 2,5 Millionen Menschen bisher ihre Akten eingesehen haben, er hält eine Öffnung weiterhin für den besten Weg, sie trage zur Klärung bei. “Die DDR schuf mit der Stasi immerhin 90 000 Arbeitsplätze, man wollte in die Köpfe hinein schauen.” Wer in Haft gesessen habe, müsse für immer mit dem Bruch seiner Biografie leben. Juristisch seien die Dinge verjährt, moralisch nicht, seelisch nicht. Jährlich kämen 80 bis 90 Neuanträge, die Stasi-Unterlagen einzusehen. Das Ausmaß der seelischen Zersetzung sei nicht greifbar und kaum justiziabel. Und dennoch: Ein Mann, mit dem er hat sprechen können, hatte zwölf Jahre hinter Gittern verbringen müssen. Dieser konnte der harten Leidenszeit sogar noch etwas abgewinnen. “Ohne uns würde die Mauer heute noch stehen.” Läpple verabschiedet sich mit einem Denkanstoß: “Wie würde ich mich verhalten?” Das müsse jeder überlegen. Sinn und Zweck einer solchen Aufarbeitung sei es, sich zu immunisieren. Das wichtigste Mittel gegen Bespitzelung – sie öffentlich machen. “Ein gutes Gemeinwesen braucht keine Heimlichtuerei. Angst ist das Schmiermittel der Diktatur.”

Von Carola Flügel

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Kennen Sie Faust?

“Unser Ziel heißt Erneuerung”: Redaktionsleiter Christhard Läpple will das ZDF-Magazin “Aspekte” verändern

CLAUDIA TIESCHKY

Es soll wärmer werden. Wenn Fernsehleute solche Wünsche formulieren, dann heißt das sogar im dunkelsten Winter meist nur, dass wieder mal eine Sendung marktgängiger werden soll. Was normalerweise kein Zeichen für Fernsehqualität ist, sondern für Verflachung.

Wärmer werden soll nun auch Aspekte, das Kulturmagazin des ZDF am späten Freitagabend, das zuletzt mit immer weniger Sendungen immer später kam und nun neue Moderatoren, einen neuen Redaktionsleiter und eben im März auch eine neue, wärmere Studiokulisse erhalten soll. Und eigentlich muss man fürchten, wieder mal ein Beispiel geliefert zu bekommen, wie das öffentlich-rechtliche Quotenfernsehen seinen Auftrag selbst zerlegt, indem es Bildungsinhalte erst an Programmränder schiebt und sie dann dort verseichtet, damit überhaupt noch jemand zuschaut.

Wenn man sich in diesen Tagen mit Aspekte-Chef Christhard Läpple unterhält, dann trifft man einen, der sich in diesem Punkt wenig Illusionen machen dürfte, aber große Erwartungen hegt. Die Gesellschaft, sagt er, sei so fragmentiert, “dass sie in Teilgesellschaften zerfällt. Das, was früher das Integrationsfernsehen leisten konnte, einen Gesprächsfaden zu haben und die Gesellschaft zu führen, ist heute nur noch in wenigen Bereichen möglich. Kultur ist einer davon.” Höher kann man die Forderung an eine Kultursendung kaum legen, man könnte das schon eine Rundfunk-Utopie nennen. Und ähnlich klingt es auch, wenn Läpple mit Blick auf den Bildungsauftrag davon spricht, Aspekte müsse “genaugenommen altmodischer und zugleich wieder moderner werden”.

Man kann das so interpretieren, dass ihm sehr bewusst ist, dass man von ihm stabile, wenn nicht wachsende Zuschauerzahlen auf dem späten Freitagsplatz erwartet, wenn viele Menschen fernsehen, aber Unterhaltungsendungen wie die NDR-Talkshow eine starke Konkurrenz sind. Trotzdem entzieht er sich etwa dem typischen Buhlen um junges Publikum (“Das Ziel heißt nicht Verjüngung, unser Ziel heißt Erneuerung”) und erklärt stattdessen, Aspekte müsse sich darum kümmern, “dass sowohl die Handarbeitslehrerin als auch der Oberstudienrat als auch der Bildende Künstler als auch der lesende Busfahrer bei uns jederzeit etwas lernen oder erfahren oder sich unterhalten kann” .

Dabei hat Läpple, 53, immer eher Projekte betrieben, bei denen man schwerlich naiv bleiben kann. Und auch die Tatsache, dass ihn das ZDF bislang nur kommissarisch zum Aspefete-Chef machte, wirkt nicht gerade wie ein Bekenntnis zu der Sendung, die seit 46 Jahren der Ort für die Kultur im Zweiten ist. Läpple war letzter DDR-Korrespondent des ZDF und hat die Stasi- Verstrickung am Lerchenberg in einem Film aufgearbeitet, um den es Streit gab, kurz vor Ausstrahlung musste korrigiert werden. Man kann wahrscheinlich sagen, dass Läpple auf konstruktive Art unversöhnt mit dieser Arbeit war, zwei Jahre später erschien sein Buch Verrat verjährt nicht, in dem er auch Stasi-Täter befragte.

Redaktionsleiter bei Aspekte wurde er im Juli, als Vorgänger Wolfgang Herles zur neuen Literaturredaktion wechselte und das Büchermagazin Das blaue Sofa erhielt. Seither hat Läpple experimentiert und von der Sendung reden gemacht, als er Gastmoderatoren wie Anke Engelke verpflichtete. Im Juli schickte er Thilo Sarrazin nach Kreuzberg und im November fuhr der deutschbengalische Schriftsteller Steven Uhly nach Jena und sagte dort, er habe Angst, sich in Ostdeutschland zu bewegen. Wenn das als Provokation gedacht war, ist sie gelungen. Experimentiert wurde auch beim Format mit seinen vier bis fünf Beiträgen pro Sendung. Möglich sein soll hin und wieder einen langer Elf -Minuten-Beitrag. Der “sportliche journalistische Ehrgeiz”, sagt Läpple, bestehe darin, “möglichst ein Thema pro Sendung zu haben das einen völlig anderen Zugang bietet, im Sinn einer klassischen Magazinform. Denn ich glaube an das Magazin.”

Am 13. Januar wird auch Veränderung sichtbar, wenn Moderatorin Katty Salie zum ersten Mal dabei ist. Luzia Braun, die bisherige Präsentatorin, ist stellvertretende Redaktionsleiterin. Von der Mischung einer Moderatorin Mitte Dreißig und der Erfahrung einer Redaktion im Alter über fünfzig verspricht sich Läpple viel. “Wenn Sie pädagogisieren”, weiß er auch, “scheitern sie meistens, aber da haben hier fast alle ein altmodisches Bild noch, ein romantisches Bild des 20. Jahrhunderts” , es sei einfach nicht schlecht, ” wenn Leute noch wissen, was ein gewisser Faust war. Oder der Freiheitsbegriff bei Schiller.” Wärmer darf es natürlich trotzdem werden, bei Aspekte.

 

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NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

ZDF-Redaktionsleiter: Auch unter Richard von Weizsäcker wurden Medien beeinflusst Auch unter Richard von Weizsäcker hat das Bundespräsidialamt offenbar Einfluss auf redaktionelle Inhalte genommen. In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte „Aspekte“-Redaktionsleiter Christhard Läpple, dies habe er bei einem Dreh im Jahr 1987 erlebt Im Vorfeld des Honecker-Besuches drehte der ZDF-Redakteur beim Wachbataillon der Bundeswehr in Siegburg. In der Sporthalle auf dem Kasernengelände probte ein Musikkorps die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Der damalige Bundespräsident von Weizsäcker war zufällig zeitgleich für einen Truppenbesuch anwesend. Das Staatsoberhaupt, die ostdeutsche Hymne, gespielt durch Bundeswehrsoldaten im Vorfeld eines vor allem in CDU-Kreisen umstrittenen Besuches: Diese Szene hatte laut Läpple eine gewisse „Situationskomik“, auch wenn von Weizsäcker auf Fragen des Journalisten zur Bedeutung des Honecker-Besuches sehr diplomatisch geantwortet habe. Zurück im Bonner Studio – ohne das Material bis dahin gegenüber dem Sender erwähnt gehabt zu haben – empfing ihn der Studioleiter schon mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch, tolle Leistung – aber wir senden es nicht.“ Läpple kann sich dies nur so erklären, dass das Bundespräsidialamt nach dem Gespräch in Siegburg massiv Einfluss genommen habe. „Ob es der Bundespräsident oder sein Mitarbeiterstab war, kann ich allerdings nicht sagen“, so Läpple gegenüber der Zeitung. Das Interview mit von Weizsäcker wurde nie ausgestrahlt.

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DIGITALFERNSEHEN

Luzia Braun bekommt für letzte “aspekte”-Sendung Narrenfreiheit

12.12.2011, 13:28 Uhr, rh

Die Moderatorin Luzia Braun wird am 16. Dezember zum letzten Mal durch das ZDF-Kulturmagazin “aspekte” führen. Braun war fast zwei Jahrzehnte lang eines der prägenden Gesichter der Sendung. Für ihre letzte Sendung hat sich die stellvertretende Redaktionsleiterin prominente Verstärkung gesucht.

An der Seite von Luzia Braun wird die nach Meinung der Moderatorin “beste und zugleich umgänglichste Schriftstellerin des deutschsprachigen Raumes”, Sibylle Berg (“Sex II”, “Der Mann schläft”), die Zuschauer durch die Sendung führen. Wie Braun in einer Mitteilung des ZDF vom Montag betonte, freue sie sich darauf, nach 18 Jahren “wieder mehr Zeit und Muße für aufwändige Beiträge und Reportagen zu haben”. “Es ist für uns ein Gewinn, dass sie sich entschieden hat, bei uns zu bleiben und dass sie jetzt meine Stellvertreterin ist”, betonte Redaktionsleiter Christhard Läpple.

In der finalen Sendung von Braun soll es neben einem satirischen Rückblick auf die Kulturgrößen des vergangenen Jahres auch “die eine oder andere Überraschung geben”, hieß es. Die studierte Germanistin und Historikerin, welche bereits seit 1981 journalistisch für Radio, TV und Print tätig ist, moderierte das TV-Magazin von November 1993 bis Dezember 2011. Seit Juli 2011 ist Braun stellvertretende Leiterin des ZDF-Kulturmagazins.

Ab Januar wird Moderatorin und Journalistin Katty Salié die “aspekte”-Zuschauer begrüßen. Ihre Vertretung übernimmt der ehemalige Viva-Moderator Tobias Schlegl. Neben dem Personalwechsel soll es auch ein inhaltlich neues Konzept für das Kulturformat geben. Außerdem wird die Sendung im kommenden Jahr mit einem neuen Studio und überarbeiteten Sendedesign aufwarten.

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MITTELDEUTSCHE ZEITUNG

Jena wehrt sich gegen ZDF-Bericht

ERFURT/DAPD. Die Debatte über den umstrittenen Beitrag der ZDF-Sendung “Aspekte” zum Thema Rechtsextremismus in Ostdeutschland hat die Thüringer Landesregierung erreicht. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht will sich mit einem Brief an ZDF-Intendant Markus Schächter wenden. Die CDU-Politikerin sei äußerst besorgt über die Berichterstattung, sagte am Dienstag Regierungssprecher Peter Zimmermann. Der Beitrag sei unausgewogen, tendenziös, zynisch und zudem mangelhaft recherchiert.

Staatskanzleichefin und Medienministerin Marion Walsmann (CDU) will das Thema im ZDF-Fernsehrat beanstanden. “Mich haben viele Bürger angesprochen, dass sie die Stadt Jena und sich persönlich durch diesen Beitrag in ein falsches Licht gesetzt fühlen”, sagte sie. Diese Zweifel und Vorwürfe würden durch einen Beitrag des Autors Steven Uhly, der in dem Fernsehbeitrag auftritt, bestätigt.

Zweifel an Sorgfalt

Damit bestünden “erhebliche Zweifel”, ob die “Aspekte”-Redaktion bei der Erstellung des Beitrags das für einen öffentlich-rechtlichen Sender erforderliche Maß an Verantwortung und Sorgfalt habe walten lassen, sagte Walsmann weiter. Für den TV-Bericht hatte der in München lebende deutsch-bengalische Autor Jena besucht und gesagt, er habe Angst, sich frei in der Stadt zu bewegen.

Am Dienstag sprach Uhly von einem einseitigen Beitrag. Es tue ihm leid für die Stadt Jena, “dass sie auf äußerst suggestive Weise so negativ dargestellt wird”, heißt es in einem offenen Brief Uhlys in der “Thüringer Allgemeinen”. Uhly führt darin aus, wie er durch die Berichterstattung der vergangenen 20 Jahre über die rechte Szene in Ostdeutschland sowie die Wahlergebnisse der NPD Angst bekam, sich im Osten frei zu bewegen. Weiter betont er, bislang nur gute Erfahrungen in den neuen Bundesländern gemacht zu haben. Die “Aspekte”-Autoren hätten ihn jedoch auf seine Angst reduziert.

Redaktion stellt sich der Diskussion

Angesichts der Debatte über den Beitrag lädt die “Aspekte”-Redaktion am kommenden Montag zu einer öffentlichen Diskussion ins Theaterhaus Jena. Debattieren werden laut ZDF unter anderem der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) und “Aspekte”-Redaktionsleiter Christhard Läpple.

Der Thüringer FDP-Generalsekretär und Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für den Aufbau Ost, Patrick Kurth, warnte indes vor einer verzerrten Wahrnehmung Ostdeutschlands. “Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht den Nazi-Stempel aufdrücken lassen.” Er sei besorgt über die überregionale Berichterstattung über die jungen Bundesländer.

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BUCHREPORT

Frank Schätzing und Wladimir Kaminer moderieren „aspekte“

Mit Bestseller-Würden vor die Kamera

 

Während Wolfgang Herles dem Format der Literatursendung auf dem „Blauen Sofa“ neue Impulse verleihen möchte (aber die Fernsehkritiker noch nicht überzeugen kann), experimentiert das ZDF bei Herles’ früherer Sendung mit Gastmoderatoren – vorwiegend aus dem Autoren-Bereich.

Wie das Medienmagazin „DWDL“ berichtet, sollen beim Kulturmagazin „Aspekte“ (deren Redaktion seit Juli von Christhard Läpple geleitet wird) neben Anke Engelke und Festspiel-Chefin Katharina Wagner auch die Bestsellerautoren Frank Schätzing und Wladimir Kaminer als Gastmoderatoren vor die Kamera treten. Sie seien auch an der Gestaltung der jeweiligen Sendungen beteiligt.

Kaminer werde am 11. November um 23.45 Uhr das „Offene Studio“ eröffnen, am 18. November folge um 23 Uhr Frank Schätzing. Die weiteren Termine: Anke Engelke am 25. November und die Verantwortliche der Bayreuther Festspiele Wagner am 9. November (auch 23 Uhr). Alle weiteren Sendungen sollen bis zum Ende des Jahres von der derzeitigen Moderatorin Luzia Braun moderiert werden.

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OPEN LETTER

 

Rezensionen zu Wall in my Head. In dieser US-Anthologie ist der Text “Bruder und Schwester veröffentlicht worden.

“The editors have arranged these high-caliber works to create a tension between celebratory and somber writing, and that gives the book a touch of greatness. From one chapter to the next you never know when in time or where on the map you’ll land next.”
Brooklyn Rail

“Personal recollection and reflection can provide readers with a deeper understanding of an event. This anthology of mostly Eastern European fiction, essays, images, and historical documents, assembled by the nonprofit organization Words Without Borders, does this exceptionally well.”

Library Journal

The Wall in My Head can be really breathtaking. . . . It contains countless telling quotidian remembrances, moments when the unthinkable happens, and moments that seem only unthinkable now.”

Front Table

“The roster of contributors is immense and impressive. . . . It is good to have them in one volume, both for purposes of comparison and also because each is so short and potent that when one is finished another becomes immediately necessary.”

Tablet Magazine

“I hardly know where to start recommending because the way to get at the variety and impact of the communist experience is to read the whole anthology, all at one go, if possible, because that’s the way to feel the impact on your own skin.”

Exquisite Corpse

“The written portions investigate the Soviet Union and its collapse from most every geographical, social and ideological perspective. Thought-provoking, oddly nostalgic . . . The Wall in My Head is a worthy investigation of a way of life which, for all its flaws, found a place in the hearts and minds of millions.

Harvard Crimson

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NORTH ATLANTIC STUDIES

Theme night on the financial crisis in Iceland

The theme night on Iceland’s financial crisis proved quite a success for Iceland’s embassy and its new ambassador, Gunnar Snorri Gunnarson who (unofficially as he had not presented his credentials to the German state yet) staged his first event at the Embassy in Berlin. The documentary about life in Iceland in the aftermath of the financial crisis was very well done. Particularly worth mentioning is that the film’s author, Christhard Läpple, succeeded in interviewing former Reykjavík mayor, former Foreign Minister of Iceland and former political star of the Social Democratic Alliance (Samfylkingin), Ingibjörg Sólrún Gísladóttir, for the first time after the latter had stepped back from her political career in the course of the “kitchen ware revolution” (búsáhaldabylting) due to severe illness.

The following public debate was dominated by the uncertain economic prospects for Iceland. This is hardly surprising as Iceland’s president, Ólafur Ragnar Grímsson, has refused to sign a bill which would commit Iceland to pay back all investors who had lost money in the banking scheme “Icesave” of the private Icelandic bank Landsbanki.

It’s the modalities, Christhard Läpple!

Unfortunately, quite to my disappointment, a comment of Christhard Läpple made it once again obvious that the understanding of the Icesave matter can at best be called limited outside of Iceland. It is quite symptomatic of the general misunderstanding of the Icesave matter that even a film-maker who went to Iceland to spend time with its citizens and gain a first-hand experience of the troubles referred to the upcoming referendum on the Icesave bill as a decision about “whether Iceland is going to pay its debts or not”. To make it clear once and for all, the referendum about the Icesave debt repayment bill is not about paying back or not! The question is about the modalities of payment. To shed a little more light on a complicated matter, I include a short review in this post of what Icesave really is about: