Category : aktuelles

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Vika goes wild

Viktoriya Yermolyeva ist zart, eher zurückhaltend und ziemlich versiert am Klavier. Sie quälte sich durch die Konservatorien von Kiew, Weimar und Rotterdam. Spielte Chopin, Liszt und Rachmaninow in europäischen Konzertsälen. Und dann explodierte die kleine Ukrainerin. Sie nannte sich fortan Vika, perfektionierte den harten Klang des Metalls auf ihren 88 Tasten, coverte Hits und Songs, von den Doors bis zu Queen. Vika goes wild. Der Beginn einer rasanten musikalischen Entdeckungsreise.     Auf geht´s. Ein munteres Crossover. Klassik, Metall, Pop. Quer durch den Gemüsegarten. Vika arrangiert populäre Songs neu. Solo oder im Duett mit einem Drummer. Debussy trifft Depeche Mode. Metallica Mozart. Radiohead Rachmaninow. Vika ist ein typisches Kind des

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Die doppelte Stadt

Wer sich das Wahlergebnis der Hauptstadt genauer anschaut, kommt zu einem naheliegenden Schluss. Berlin bleibt geteilt. Auch ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall. Grenzen teilen Ost und West, aber auch Wohlhabende und Abgehängte. Diese neue Trennlinie zwischen Toleranz und Offenheit einerseits und Abgrenzung und Protest andererseits verläuft exakt entlang der alten Mauer. In den meisten östlichen Bezirken erreichen AfD und Linkspartei zusammen klare Mehrheiten. Weiter westlich hingegen schwächelt die AfD während die FDP triumphiert. Dazwischen zerbröseln die Volksparteien SPD und CDU.     Alles Altlasten? Ist es das vielbeschworene Erbe von Mauer und Kaltem Krieg? Wer sich mit einfachen Antworten zufrieden gibt, braucht ab jetzt nicht mehr weiterzulesen. Für alle

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Am deutschen Wesen

Das Land sucht seine Mitte. Wieder einmal. Mit einer Rolle rückwärts in die Zukunft? Vor 150 Jahren reimte ein Heimat-Dichter und Spätromantiker: „Macht und Freiheit, Recht und Sitte, Klarer Geist und scharfer Hieb/ Zügeln dann aus starker Mitte/Jeder Selbstsucht wilden Trieb, Und es mag am deutschen Wesen/Einmal noch die Welt genesen.“ Der Name des Poeten? Unbekannt? Er heißt Emanuel Geibel. In Lübeck kann man ihn noch antreffen. Im Rest der Republik ist er vergessen. Aber die letzten Zeilen seines Gedichts Deutschlands Beruf aus dem Jahre 1861 spuken ungebrochen weiter durch unsere Hirne und Herzen. „Es mag am deutschen Wesen – einmal noch die Welt genesen.“ Aus dem patriotisch intonierten Verb

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Über Vater und Sohn

Bruce Springsteen. Der Boss. Zwei neue Bücher, ein altes Thema. Die Einsamkeit des Künstlers. Viele Jahre litt der US-Rockstar unter Depressionen – das schreibt er selbst in seiner Autobiografie. Als sein Vater 1998 starb, holte ihn der „Schwarze Hund“ ein. Doug Springsteen hatte seinen Sohn ein Leben lang schikaniert. Mithilfe von Ärzten, Medikamenten und Ehefrau Patti fand er wieder aus dem Tief. Bruce: „Wenn sie den Güterzug sieht, der Nitroglyzerin geladen hat und aufs Entgleisen zusteuert, dann bringt sie mich zum Arzt und sagt: ‚Dieser Mann braucht ein Pille‘.“   Bruce Springsteen verkörpert wie kein anderer das andere, bessere Amerika. Der ehrliche Arbeiter. Bodenständig, zuverlässig, geradeaus. Ein Working Class Hero.

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Marlene unter uns

„Wo denn das Grab der Dietrich sei“, frage ich eine ältere Dame mit grüner Gießkanne. Schnurstracks antwortet die Berlinerin: „Folgen Sie mir. Sie liegt direkt neben meinem Mann.“ Wir gehen einige Reihen auf dem Friedhof Friedenau entlang. Die Frau volle Kanne vorneweg. „Da ist sie.“ Wir stehen vor dem Ehrengrab der Marlene Dietrich. „Es wird kaum gepflegt. Eine Schande. Die Blumen verdorren. Keiner räumt sie weg. Ach…“ Die Witwe macht eine stumme wegwerfende Handbewegung, wendet sich ab, gießt ihren Mann.     „Hier stehe ich an den Marken meiner Tage“, lese ich. Hier ruht sie also. Die Grand Dame des deutschen Films. Geliebt, gehasst, umstritten, gefeiert. In Paris einsam gestorben,

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Is mir egal

„Erster Schultag in Berlin. Die Kinder haben noch keinen Stundenplan, aber am zuckerfreien Vormittag wurden schon mal die Namen getanzt.“ Notizen vom Prenzlauer Berg. Die Hauptstadt ist aus den Ferien zurück. Und – wie gewohnt – funktioniert nichts richtig. Das Finanzamt ist abgetaucht. Das Bürgeramt Kreuzberg schickt verzweifelte Bürger wieder weg, die bereits zum fünften Mal einen ausgefüllten Antrag abstempeln lassen wollen. Warum? – Antwort des Amtsträgers: „Ganz einfach – weil ich nicht will!“ Das ist Berlin. „Is mir egal“, ein Werbespot der hauptstädtischen Verkehrsgesellschaft BVG hat längst Kultstatus erlangt. Sechs Millionen Menschen können nicht irren. Eigentlich sollte gegen Schwarzfahren geworben werden, doch die eigentliche Botschaft ist überall angekommen. Ist

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Wir brauchen einen Willy

Die Bundesrepublik ist mittlerweile 67 Jahre alt. Das Land hat bei allen Fehlern ein paar Dinge geschafft: die längste Wohlstandsphase seit Menschengedenken, die stabilste Friedensperiode der deutschen Geschichte und eine Vereinigung, die den Kalten Krieg ohne einen einzigen Schuss beendete. Selbst die skeptischen Briten erklären die Deutschen in BBC-Umfragen regelmäßig zum populärsten Land der Welt. Und die Deutschen selbst? Sie maulen, meckern und folgen zunehmend denen, die Angst und Schrecken beschwören. Man könnte meinen, die Welt gehe bald unter. Und nur eine Kraft kann sie retten: die AfD. Die Stärke der AfD ist eindeutig die Schwäche der etablierten Parteien. CDU, SPD und Grüne gelten als verbraucht und unfähig Probleme zu

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Bundestag Inside

Willemsens Jahr. Mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zwölf Monate lang beobachtete Roger Willemsen, wie das höchste Organ der Deutschen, der Bundestag, seinen Geschäften nachging. Was leisten Volksvertreter in einem Haus, das dem deutschen Volk gewidmet ist? Willemsen verfolgte aufmerksam große Auftritte und peinliche Begebenheiten. Das Experiment geschah bevor die AfD wie Phoenix aus der Asche der Etablierten die Bühne betrat. Willemsens Welt zeigt die da oben, die in unserem Namen entscheiden. Oder es sollten. Ein Jahr Bundestag Inside.     Reichstag. 16. Januar: „Die Stimmung ist inzwischen von leichtherziger Gereiztheit, die Oberfläche bewegt von stark expressivem Verhalten, von Ausrufen, Schaulachen, Gesten des Abwinkens und Fäuste-Reckens, bitteren Beschuldigungen.“ Willemsen zitiert

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Im Haus des Volkes

In diesen Tagen holt zahlreiche Bundestagsabgeordnete eine alte Affäre um teure Füller ein. Wie „Bild“ jüngst herausfand, orderten vor einigen Jahren Mitglieder aller Fraktionen wertvolle Schreibgeräte. Selbst Abgeordnete der Linken wurden mit Luxusfüllern der Marke Montblanc im Wert von 2.900 Euro versorgt – umsonst. Ob mit solch edler Tinte die Abgeordneten-Qualität gesteigert werden konnte, bleibt das Geheimnis der Volksvertreter. Was aber jenseits von  aufgebauschten Aufregern die Abgeordneten wirklich leisten, hat Roger Willemsen in einem beispiellosen Selbstversuch erkundet. Ein Jahr lang besuchte der viel zu früh verstorbene Publizist alle Plenarsitzungen im Reichstag. Er saß auf der Besuchertribüne, staunte, wunderte, ärgerte und langweilte sich. Manchmal war er der Einzige, der den Hervorbringungen

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Das Glück am Bass

Der Bass bleibt in der Regel für Struktur, Begleitung und Tiefe zuständig. Der Bassist ist überwiegend männlich, still und im Hintergrund. Als Solo-Instrument im modernen Groove übernimmt er vorzugsweise eine dienende selten eine aktive Rolle. Nicht so bei Kinga Glyk. Virtuos entwickelt die Polin auf ihrem Bass eine eigene Handschrift, die überrascht und überzeugt. Kinga ist 19 Jahre alt. Sie gilt als eines der Super-Talente im europäischen Jazz. Sie hat eine große Zukunft vor sich.     Kinga ist ein polnischer Vorname und bedeutet auf Deutsch Kunigunde. Glyk kommt aus dem Griechischen und steht für „süß schmeckend und Zucker“. Kinga Glyk stammt aus einer polnischen Musikerfamilie. Ihr Vater Irek ist

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