Category : aktuelles

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Pardon me

Musik liegt im Blut. Musik ist ihr Leben. Kein Wunder. Die Jazz-Sängerin Jessica Gall stammt aus einer alten Berliner Musikerfamilie. Die Großmutter war klassische Pianistin, der Großvater Sänger. Ihr Vater tourte mit einer Kindertheater-Show durch die DDR. Die 36-jährige hat mittlerweile selbst zwei Kinder. Sie liebt die leisen, aber stimmungsvollen Töne. In hippen Mitte-Szenecafés ist sie nicht anzutreffen. Dafür legt sie lieber alle paar Jahre ein neues starkes Album vor.     Die Berliner Jazz-Szene ist nicht gerade mit weiblichen Stimmen gesegnet. Pascal von Wroblewsky und Jocelyn B. Smith geben seit vielen Jahren den Ton an. Jessica Gall hätte das Zeug zu einer großen Karriere. Sie ist eine Entdeckung wert.

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Erfolg macht blind

Was kostet zerstörtes Vertrauen? 15 Milliarden, 30 Milliarden, 100 Milliarden Euro? So weit reichen die Schätzungen im Fall VW. So teuer könnten die Abgas-Betrügereien an elf Millionen Dieselautos werden. Ein Fiasko. VW taumelt vom weltgrößten Autohersteller, so der einstige ehrgeizige Plan, in den größten GAU seiner Firmengeschichte. Jedem Unternehmen ohne inneren Kompass, Werte und Vertrauen in die Mitarbeiter kann ein solches Schicksal blühen. Immer dann, wenn Erfolgstreben blind macht. Ende Mai 2016 konnte Psychotherapeut Günter Funke vor 400 VW-Führungskräften zum Thema Vertrauen, Verkaufszahlen und Erfolg seinen letzten Vortrag halten. Der Kern seiner Ausführungen lautete: „Wenn Erfolg Recht gibt, dann ist jeder Betrug, der zum Erfolg führt rechtens“. Hier einige Auszüge

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„Kommt zur Vernunft“

Viele Deutsche träumen von einem, der durchgreift. Der sagt, was Sache ist. Der handelt und regiert, statt zu diskutieren oder abzutauchen. Es ist der Wunsch nach einem aufgeklärten Herrscher. Es muss ja nicht unbedingt der Putin sein, heißt es, eher so einer wie der „alte Fritz“. Dieser König – Friedrich II von Preußen auch „Friedrich der Große“ genannt – erlebt eine Renaissance. Er war ein typischer Barockherrscher, sozial und rücksichtslos, bescheiden und luxusliebend, bemüht um gute Herrschaft, aber leichtfertig mit den Menschen. Er verfasste fünfzigtausend Gedichte in französischer Sprache. Deutsch war für ihn die Sprache der Pferdekutscher. Aber wer war der Große? Sein Trauma: die frühe Zwangsheirat mit Elisabeth Christine,

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Moment mal!

Überall in unseren Städten sind geheime Botschaften versteckt. An Wänden, Türen, Fassaden. Nicht die bunten Werbesignale, die uns animieren sollen, das vorteilhaft Angepriesene zu erwerben. Nicht die Hinweisschilder auf Ärzte, Firmen oder Behörden. Auch nicht die grellen Graffiti, die mehr oder weniger fantasievoll Flächen verkleben. Gemeint sind stille Botschaften wie jene am Bahnhof Zoo. Hier zählt ein Anonymus die Tage. Seine, unsere?     Die allermeisten Passanten ziehen im Alltag achtlos an den kleinen Kunstwerken vorbei. Zu viel Hektik, zu wenig Zeit. Zu viel Hast, zu wenig Muse. Zu viel Lärm, zu wenig Ruhe. Innere wie äußere. So stehen die Zeichen verloren im Raum. Lost in the Cities. Bis sie

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Lesen macht reich

Die Liebe zur Literatur gilt in der Regel als brotlose Kunst. Eine internationale Studie will nun belegen: Wer in der Jugend viel liest, ist später reicher. Es kommt allerdings auf die Zahl der Bücher an. Normalerweise fällt bei Bücherwürmern einem nicht zuallererst Geld, Besitz und Vermögen ein. Der durchschnittliche Milliardär posiert eher vor Säulen oder Golfplätzen als vor Bücherwänden. Die Vorstellung, Donald Trump vertiefe sich in eine Ausgabe des „Ulysses“ oder des „Kapitals“ führt ins Absurde. Der Mann ist steinreich, weil er maximal Kontobücher zu lesen gelernt hat. Doch nun die frohe Botschaft: Lesen macht reich – oder doch wenigstens ein bisschen reicher. Das jedenfalls behauptet die Studie „Books Are

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Schaumbad in luftiger Höhe

Ein Bad in 426 Metern Höhe gefällig? In New York ist nichts unmöglich. Der feuchte Spaß in einer Marmorwanne im neuen Luxustower in der 432 Park Avenue hat natürlich seinen Preis. Eine Penthouse-Wohnung mit diesen Aussichten kostet 96 Millionen Dollar. In Frankfurt ist der kleine Bruder geplant. 2018 soll der Porsche Design Tower bezugsfertig sein. Es geht voran. Der Investor verspricht eines der außer­gewöhn­lichsten Wohn­hoch­häuser Deutsch­lands. Etwas „Großartiges“ soll hier entstehen. Das Versprechen: „Ein Wohn­tower in außer­­ge­wöhn­­lichem, unver­­wech­sel­­­­barem Design mit exzellentem Interior und ganz beson­­derer Wohn­­qualität.“ Über Preise im Porsche-Turm spricht man nicht. „Oberes Preissegment“, heißt es nur. Eine Frage der Diskretion. Für die zahlungskräftige Klientel spielen Kosten eher eine

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Der lange Atem

Wir sehen eine trostlose karge Landschaft. Lavasand. Steppengras. Einige Baumstümpfe ragen aus dem Boden. Apokalypse Now? Könnte sein. Aber es wächst ein wenig Grün. Mühsam behauptet es sich. Diese Aufnahme entstand in Island und stammt aus diesen Tagen, während das alte Europa in Angst und Schrecken versinkt. Das Bild zeigt ein kleines Wunder. Natur heilt Wunden. Auch wenn sie sich manchmal Zeit lässt. Sehr viel Zeit.   Halldor Gudmundsson hat diese stille Landschaft fotografiert. Der langjährige Verleger und heutige Harpa-Konzerthaus-Chef schreibt: „Ein Wald in Island, der vor ca. 1.200 Jahren einer Überschwemmung oder Sandflut zum Opfer fiel, wahrscheinlich von einem Vulkanausbruch in Mýrdalsjökull verursacht, ist in den letzten Jahrzehnten langsam

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Warum tötest Du, David?

Was wir wissen: David S. war 18 Jahre alt. Deutsch-Iraner. Er wohnte bei seinen Eltern in einem gutbürgerlichen Viertel. Er ist der Amokläufer von München. Oder: Der unbegleitete Flüchtling aus Afghanistan. Er war 17 Jahre alt. Untergebracht bei einer Pflegefamilie. Der Amokläufer im Regionalzug nach Würzburg. Beide sind tot. Beide zerstörten das Leben anderer unschuldiger Menschen. Was wir nicht wissen: Warum? Was treibt junge Männer zum Töten an? Sind wir in Rambos Amerika angekommen?   „Um ein Haar wäre auch ich Terrorist geworden. Ich wäre der idealtypische Amokläufer gewesen: Kind einer dysfunktionalen Familie, einsam, verzweifelt, frustriert und geladen wie ein Fass Dynamit auf der Bounty. Jeder Sozialarbeiter hätte seine Freude

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Stürmische Höhen

Sie ist die Elfe des Pops. Sinnlich, zärtlich, unnahbar. Ihre feine hohe Stimme könnte locker Gläser zum Zerspringen bringen. Kate Bush. Königin der distanzierten Poesie. Ihre beste Zeit hatte sie in den Achtzigern und Neunzigern. „Don´t give up“, sang sie herzzerreißend im Duett mit Peter Gabriel. Doch der Bush-Kult lebt. Ihre Hommage an die Dichterin Emiliy Bronte ist ein Dauerbrenner. Wuthering Heights, auf deutsch Sturmhöhe, zählt im Netz fast 22 Millionen Klicks. Vor allem weibliche Fans huldigen der Waldfee in roten Strümpfen. Wuthering Heights war 1978 das Debut von Kate Bush. Der erste kommerziell erfolgreiche Song des Pops, komponiert und interpretiert ausschließlich von einer Frau. In ihrem Lied erzählt Kate

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Der Angst-Versteher

Hurra, die Welt geht unter! Die Nachrichten überschlagen sich: Dallas, Nizza, Istanbul. Angst und Schrecken machen immer fettere Beute. Menschen werden zu wandelnden Killerautomaten, Lastwagen zu Massenvernichtungswaffen und der Wahnsinn zur Methode. Jetzt ist die Stunde der Heilsversprecher gekommen. An Bahnhöfen treten die Zeugen Jehovas seit kurzer Zeit mit erhöhtem Personalaufwand an. Sie versprechen Erlösung – im Jenseits. Ist die Zeit reif, um ein Apfelbäumchen zu pflanzen? Oder vielleicht besser noch um alsbald einen Psychotherapeuten aufzusuchen? Professionelle Hilfe wird gebraucht. In Potsdam hat Ahmed Al-hafedh derzeit regen Zulauf. Der Mann ist vierzig Jahre alt, stammt aus dem Irak. Sein Vater sitzt im irakischen Parlament. Den arabischen Seelendoktor suchen derzeit nicht

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