Category : aktuelles

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Ahoi!

„Jenseits der Brandmauer“ geht wie eine Rakete durch die Decke. Ein kleines Buch über das vorpommersche Jarmen steht bundesweit auf Platz eins der Bestsellerliste. Unfassbar. Überall ist die Brandmauer vergriffen, dieser unverstellte Blick hinter die Mauer. Dort, wo es anders ist als in vielen Köpfen, Feeds und TV-Berichten. Jarmen liegt im blauen AfD-Land an der Ostsee. Niemand kennt sich dort so gut aus wie Jan Gorkow. Es ist seine Heimat. „Ich rede, streite, diskutiere ständig mit den Wählern dieser Partei. Wer in der Provinz lebt, weiß, dass alles andere unmöglich ist.“ Der 39-jährige Jan Gorkow – besser bekannt als Monchi – ist Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Monchi ist

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Spiel noch mal

Der kleine Freund ist schmal, handlich und passt in jede Hosentasche. In der Regel ist das Ding aus Holz und Metall 10,5 cm lang, 2,8 cm tief und 1,8cm hoch. Der kleine Fratz wird gerne unterschätzt, heißt im Volksmund Schnuffelrutsch, Mundorgel oder bayrisch derb Fotzenhobel. Das Mundblasinstrument benötigt ausreichend Puste und noch mehr Talent. Die Töne müssen chromatisch bedient werden. Wer den Bogen raus hat, ist absolut lagerfeuertauglich. Optimal auch einsetzbar zur Gitarre für Straßenmusiker jeder Couleur in jeder beliebigen Fußgängerzone, wenn Songs von Bob Dylan über Cat Stevens bis Oasis gecovert werden. Eben alles, was Kleingeld bringt. Richtig! Alles dreht sich um die Mundharmonika. Klein, aber oho! Gefühlvoll geblasen

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„Der Dummheit schaden“

Die Dummheit besiegen. Wie geht das? Eine gute Frage, so alt wie die Menschheit. Eine Antwort wäre derzeit nötiger denn je. Die Lage ist apokalyptisch. Glaubt man der wissenschaftlichen Weltuntergangsuhr von Albert Einstein und Frank Oppenheimer. Die beiden Physiker stellten 1947 diese Uhr im Jahr ihrer Einführung auf sieben Minuten vor Mitternacht. Heute, 2026, steht sie bei 25 Sekunden vor zwölf. Was macht man mit 25 Sekunden vor dem Finale? Einfach umdrehen und weiterschlafen, den oder die Liebste küssen? Oder einen frischen Aperol Spritz bestellen, in der Hoffnung, dass dieser nach dem Armageddon ankommt? In Zeiten von Abstieg, Unsicherheit, Kriegen, Katastrophen und notorisch unfähigen bis korrupten Eliten schlägt die Stunde

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Intensivstation

Als ich zum OP-Saal geschoben werde, fragen mich Pfleger und Schwestern immer wieder: Name? Größe? Gewicht? Schließlich legt die Anästhesieassistentin an Hand und Arm Zugänge für die OP. Wieder die Frage: Name? Größe? Gewicht? Und überraschenderweise folgt eine weitere: Beruf? – „Journalist“. – Wo? – „Ich war lange beim ZDF.“ Fake News ruft lauthals eine Kollegin, die ich nicht sehen nur hören kann. Meine Schwester verdreht die Augen und sagt noch: „Ach, bei aller Kritik, ich finde es gut, dass es sie gibt. Gerade in diesen Zeiten.“ Dann wird mir eine Sauerstoffmaske übergestülpt. Ich verschwinde in das Land der Träume. Als ich drei Stunden später auf der Intensiv wach werde,

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Opas gegen links

„Jetzt ist die Stunde der Rentner. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Sie müssen auf die Straße gehen“, fordert Peter Hahne, 73 Jahre alt. Der mediengestählte Diplom-Theologe, Ex-ZDF-Moderator und Bestseller-Autor meint, es sei höchste Zeit für so etwas wie Opas gegen links. Der Fernsehpfarrer sieht größte Not. „Unser Land wird umgekrempelt. Ich will das nicht!“ Freundlich im Ton, kämpferisch in der Sache jammert der Mann im Unruhestand: „Ich will unser altes Land zurück. Das gute alte Deutschland. Normal soll es wieder werden.“ Normal ist bei ihm ein wichtiges Wort. Hahne – jetzt ein Rentner-Rebell? Einer der alten, zornigen Männer, die unter Bedeutungsverlust leiden? Die vom Weltuntergang reden, wenn, ja wenn

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What a wonderful world

Die Frau ist ein echtes Phänomen. Sie veredelt Cover-Versionen wie geschickte Hände Rohdiamanten in Schmuckstücke. Sie interpretiert berühmte Songs und präsentiert sie besser als die Originale von Sting, Cindy Lauper oder Louis Armstrong. Berühmt wird die schüchterne Sängerin erst nach ihrem frühen Tod. Ihr Name: Eva Cassidy aus Washington D.C. Ihr einmaliges Geschenk: eine klare, unglaublich gefühlvolle, unverwechselbare Stimme. Sichert Euch Taschentücher, wenn sie Over the Rainbow oder Time after Time anstimmt. Evas Lieder sind für die Ewigkeit. Eine Stimme für die vielen Menschen ohne Stimme. Für die Einsamen und Kranken und für alle, die mit ihrem Schicksal hadern. Und für den großen Rest, der einfach gute Musik mag.  

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Das Leben ist eine Baustelle

Schloss Bellevue. Der Sitz des Bundespräsidenten ist geschlossen. Für mindestens acht Jahre. Höchstwahrscheinlich deutlich länger. Das Schloss in Berlin ist in die Jahre gekommen, ein Sanierungsfall. Ab und zu fällt Strom aus oder der Fahrstuhl bleibt stehen. „Besonders sparsam und zweckmäßig“ war Bellevue 1785 in zwei Jahren erbaut worden. Das Schloss diente Prinz August Ferdinand von Preußen, dem jüngsten Bruder Friedrich des Großen als Sommerresidenz. Bellevue – zu deutsch: Schöne Aussicht – gilt als das erste klassizistische Schloss Preußens. Im II. Weltkrieg brannte Bellevue bereits im April 1941 nach einem britischen Volltreffer aus. Vom Mittelbau blieben nur Außenmauern stehen; der südliche Anbau wurde vollständig zerstört. Bis heute steht der unterirdische

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Wo war mein Opa 1945?

Mein Großvater war eine Respektperson. Eleganter schwarzer Anzug, rot-weiße Fliege, Einstecktuch. Ein Musikdirektor vom alten Schlage. Trollinger-Liebhaber, Caféhaus-Stammgast, Konzertkritiker. Er rauchte leidenschaftlich gern, selbst beim Klavierunterricht. Bei ihm lernte ich meine ersten Töne an seinen geliebten 88 Tasten. Da er seine Zigarette stets mit Spitze paffte, fiel die Asche manchmal zwischen die Tasten. Zum Ärger meiner Großmutter Maria, die sie mühsam herauskramen musste. Ich bewunderte meinen Opa, auch wenn ich beim Spielen im dichten Qualm ab und zu husten musste. Max nahm mich sogar in sein Lieblingscafé mit. Ich durfte eine Limo bestellen, während die älteren Herren neueste Skandale debattierten oder der Kellnerin Komplimente hinterherwarfen. Mein Opa, geboren 1894, war

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Thank you, Dublin Teil II

Am Eingang zum Literatur-Institut der Trinity Universität von Dublin stehen große Fragen: „Sind Bibliotheken die letzte Bastion der Demokratie? Hört Lernen jemals auf? Braucht Technologie Kultur? Kann Kunst widerstehen? Dienen Gesetze stets dem Allgemeinwohl? Sprechen Ruinen lauter als Denkmale? Ist Menschlichkeit in der Lage, einen lebenswerten Planeten zu erhalten? Wie sieht Frieden aus?“ Noch eine Frage lautet: „Wer erzählt unsere Geschichten?“ Diesen Punkt können wir alle selbst beantworten. Ganz einfach: Indem wir genau hinschauen, neugierig bleiben und nicht unentwegt auf Handys glotzen. Gleich gegenüber der Uni residiert die Zentrale der Bank of Ireland. Das mächtige Gebäude besitzt die größte Tür Irlands, aber kein einziges Fenster. Warum? Fenster bringen Unglück, sagt

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Thank you

Der grüne 16er Doppeldeckerbus quält sich vom Flughafen ins Zentrum von Dublin. Am Trinity College, eine der ältesten Universitäten der Welt, steige ich aus. Achtung! Linksverkehr. Die Uni ragt wie eine Festung mitten in die City. Viktorianischer Pomp mit Harry-Potter-Charme, ein riesiger Campus mit altehrwürdigen Gebäuden. Hier eine Gedenktafel für Samuel Beckett („Warten auf Godot“), der vor hundert Jahren am College studierte. Dort Institute, Bibliothek, Rugby-Feld und Tennisplätze. Versteckt ein Wohnheim mit Jugendherberge-Charme, die Nacht für zweihundert Euro, Frühstück in der Mensa inklusive. Dublin ist eine der teuersten Städte der Welt, erzählen die Einheimischen. Das wird wohl stimmen. Das einstige Armenhaus hat sich in eine Boomtown verwandelt. Dank der europäischen

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